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Nr. 27 Ph.J. Spener an A.H. Francke 17. 5. 1692
Herr geh[eimer] Rath von Meinders 12 war riechst nicht wol zufrieden, 40 wegen exclusion Herrn Secr[etarii] Krauten . Bekenne, das selbs etwas davor schuldig sein wolte, das es nicht geschehen. Herr Cammer R[ath] Kraut 14 mag etwa fehlen, doch muß man ihm das zeugnus geben, das under menschen er was die Hallische sache anlangt, das meiste gethan, auch noch künfftig zu thun vermag, daher er in allem, so weit das gewißen nicht im weg 45 stehet, billich von uns considerirt und mehnagi[ret] werden solle. Herrn D. Thomasij consilia weiß ich nicht ob allemal zu folgen seyen. 17 Es laßet sich nicht an allen orten, ob man auch in einer sache nicht eben unrecht hätte, grad durchfahren, sondern wir müßen den hauptzweck zu erreichen bißweilen einen umschweiff uns nicht verdrießen laßen. Der Herr gebe in allen 50 die allen nötige weißheit, und führe uns nach seinem rath. In deßen treue, liebe und regirung hertzlich erlaßende verbleibe
Meines wehrtesten Herrn u. Bruders zu gebet u. liebe williger Ph[ilipp] Jjacob] Spener D. Mppria
Berlin den 17. Mai 1692.
55 Herrn D. Breithaupten 18 grüße ich in dem Herrn, wie auch alle gel[iebten] bruders haußgenoßen 19 , darunder auch die meinige 20 habe.
Herrn Herrn M. Augusto Hermannen Francken Orientfalium] Ling[uarum] profjessori] publico zu Halle, und pastori zu Glaucha p. Halle
45 mehnagifret] ] mesnagirct: D. 47 /hätte/. 55f | Herrn D. Breithaupten ... habe. |.
12 Franz von Meinders (s. Brief Nr. 22, Anm. 26).
13 Ludwig Gebhard Kraut (8.10.1652-1725), Konsistorialrat und erster Sekretär der Universität Halle (NDB 12, 723; Dreyhaupt 2, Anhang, 82). - Offenbar ist nicht der Ausschluß L.G. Krauts vom Abendmahl (so Deppermann, 76), sondern der Ausschluß als Rechtsvertreter des Konsistoriums gegen die Universität in der Sache Hornemann (s. Briefe Nr. 22, Anm. 40) wohl aufgrund der Initiative von Thomasius (s. Z. 45f und Anm. 16) gemeint (freundlicher Hinweis von Friedrich Detlef Plasan, Websleben).
14 Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4).
15 S. Brief Nr. 23, Anm. 20.
16 Christian Thomasius (s. Brief Nr. 8, Anm. 20).
17 S. Anm. 13.
18 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
19 Im Pfarrhaus in Glaucha wohnten zu diesem Zeitpunkt einige Studenten. Außer den Spenersöhnen (s. Anm. 20) werden Christoph Sigismund Wagner (s. Brief Nr. 24, Anm. 10) und Conrad (?) Zimmermann (s. Briefe Nr. 20, Anm. 14 und Nr. 24, Z. 30f) erwähnt. Johanna Margarethe Lingk hatte im März angekündigt, ihren Sohn zur Information nach Halle zu schicken (s. Brief Nr. 24, Z. 35f). Auch die vor dem Umzug Franckes (19.3.) genannten Heinrich Johann Deichmann (s. Brief Nr. 21, Anm. 9), Christoph Seebach (s. Brief Nr. 16, Anm. 13), Martin Kipsch (s. Brief Nr. 21, Anm. 15) und Johann Christoph Meurer (s. Brief Nr. 21, Anm. 18) können jetzt Mitbewohner im Pfarrhaus gewesen sein.
20 Wilhelm Ludwig (s. Brief Nr. 16, Anm. 7) und Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).