Nr. 27 Ph.J. Spater an A.H. Fraucke 17. 5. 1692
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licher Überlegung vor Gott und mit guten freunden. Solte nun dergleichen 15 resolviret werden, so hätte meinetwegen etwas zu bitten. Weil ich auch in der praefation und p. 99.100. hart angelaßen 5 , so habe zwahr meines orts nicht nötig geachtet, das wenigste zu antworten 6 : es schrieb mir aber gestern Herr von Danckelman 7 ein briefHein 8 , es würde zum wenigsten die falschheit der Imputationen müßen angewiesen werden, so er aber lieber verlangt, wo ich 20 einen guten freund hätte, das durch einen solchen alß durch mich geschehe. Wo dann nun derselbe seinetwegen vindicias heraußzugeben sich benötigt finden solte, könte meiner nur mit einer seite oder einer halben seite meidung geschehen. In dem allein per generalia contradicirt werden darff, wie die imputationes generales sind. Solte aber derselbe dergleichen nicht vorhaben, 25 mag sich ein ander guter freund finden. Bitte also nur mit gelegenheit mich zu benachrichtigen.
Nechst dem habe auch wißend zu machen, das nechst ein vornehmer Mann 9 , so eine weil zu Halle sich auffgehalten, zurück gekommen, u. mitgebracht, er hätte befunden, das die so genannte Pietisten deßen nicht schuldig 30 wären, das sie beschuldiget würden: doch habe ihm sehr mißfallen, das Barc- laji 10 buch 11 sehr starck under ihnen herum gehe. Nun habe geliebten Bruders prudenz, zum fordersten aber göttliche güte, erkannt, das zeit deßen anwesens in Erffurt keine verdächtige bücher under deßen freunde eingerißen, wie er auch bey mir selbs gerühmet haben wird. Würde also auffs sorgfältigste auch 35 dieses orts zu verhüten sein, daß nicht dieses ein strick werde, damit man sich verwickele u. viel gutes verderben könte. Bitte also hertzlich, zu vigiliren, das der lästerer nicht neue ursach finde, etwas mit großen schein vorzuwerffen.
14f /reiff/licher : (f..(?))licher. 32 /buch/. 35f /auch dieses orts/.
5 Mit Bezug auf seine Vorrede zu Veit Ludwig von Seckendorfs (s. Brief Nr. 1, Anm. 4) Widerlegung der Imago Pietismi (s. Brief Nr. 18, Anm. 9) werden Spener Verleumdung, Unauf- richtigkeit und Verleugnung von Fehlern und Irrungen vorgeworfen. Spener sei nicht so heilig, wie er sich selbst darstelle und von seinen Anhängern ausgegeben werde; der Teufel könne „sich auch in einen Engel des Lichts verstellen" (Doppelte Verteidigung [s. Anm. 2], 4. 99f, Zitat 100).
6 Zu Speners dann doch erfolgter Reaktion s. Brief Nr. 33, Z. 39-42 und Anm. 24f.
7 Eberhard Christoph Balthasar von Danckelmann (s. Brief Nr. 13, Anm. 8).
8 Nicht ermittelt.
9 Nicht ermittelt.
10 Robert Barclay (1648-1690), geb. in Gordonstown, Morayshire in Schottland; Studium in Paris unter römisch-katholischem Einfluß, seit 1667 Quäker. Barclay verfaßte bedeutende apologetische Schriften der Quäker (RGG 4 1, 1106; Jöcher 1, 790; Renkewitz, 32. 331. 359f; Matthias, 94; s. Anm. 11).
1 ' Vermutlich handelt es sich um Robert Barclays 1676 herausgegebene Apologie der Quäker, die in deutscher Sprache unter dem Titel Eine APOLOGIE Oder Vertheidigungs=Schrifft/ der Recht=Christlichen Gotts=Gelehrtheit/ Wie solche Unter denen Leuten/ die in dem Englischen und Teutschen spoettisch (wiewol von diesen noch darzu unteutsch) QUAKER benahmet seynd/ gehalten und gelehret wird [...], o.O. 1684, erschienen war.