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Nr. 32 AM. Francke an Ph.J. Später 19. 7. 1692

80 laße Ihn große barmhertzigkeit finden an jenem Tage. Sehe auch gerne, wenn dergleichen an Herrn HoffCammerrfath] Krauten geschehen könte.

Die Predigt 32 ist nun gedruckt, und kommet hiebey doch ohne dedication an die Gemeine, welche auff einem bogen a part mit dem titul noch zu drucken übrig. Der buchdrucker 33 hat nun die predigt selbst solicitiret, und

85 versichert, daß der Cantzler 34 ihm ausdrücklich gesaget, was die Professores drucken lassen, dürffe er nicht censiren lassen 35 , daß ers also wohl verant­worten könne, hats also auch auff sich genommen. Zweiffeie sonst nicht man würde mir gerne etwas in den weg geworffen haben, und mir doch an der Eile viel gelegen gewesen.

90 Wegen meines auffsatzes von Gnade und warheit 36 wäre mir sonderlich lieb wenn mir dero Meynung worinnen die warheit eigentlich bestehe oder was es eigentlich sey deutlicher exprimiret würde. 37 Ich weiß noch nicht ob ichs besser treffen kann. Sehe sonst wohl die Sache nun etwas ordentlicher und klärer ein, und bin willens auff anhalten guter Freunde, es drucken zu lassen,

95 wenn ichs beßer ausgearbeitet.

Von Herrn D. Bilefelden 38 habe mich erfreuet etwas zu hören. Bey der Fürstlichen] Taffei zu Merseburg 39 sol erzehlet seyn als gewiß, daß seine Liebste 40 nach 18 wochen ihres Ehestandes ein Kind bekommen 41 , quod, si falsum, literis ejus optime posset refelli. Ich habe heute zugegeben, daß loo Maximilian] 42 mit seinem Herrn Laurentio 43 nach Merseburg gereiset,

32 Franckes Predigt zum 6. So.n.Tr. 1692 (s. Brief Nr. 28, Anm. 17).

33 Christoph II. Saalfeld (Salfeld) (6.11.1653-1703), Kurfürstlich-Brandenburgischer Hof- Buchdrucker und Verleger in Halle von 1685 bis 1703 (Dreyhaupt 2, 56; Paisey, 219; vgl. den Titel der gedruckten Predigt in Brief Nr. 28, Anm. 18).

34 Veit Ludwig von Seckendorf (s. Brief Nr. 1, Anm. 4).

35 Spener hatte in seinem Brief vom 16. Juli die Befürchtung geäußert, daß der Druck der unzensierten Predigt neue Unruhe verursachen könnte (s. Brief Nr. 31, Z. 9395).

36 Sein ManuskriptGnade und Wahrheit" hatte Francke Spener wohl am 9.7.1692 gesandt (s. Brief Nr. 30, Z. 61-63 und Anm. 27).

37 Spener hatte bemängelt, daß die Wahrheit nicht deutlich genug beschrieben sei (s. Brief Nr. 30, ebd.).

38 Johann Christoph Bielefeld (s. Brief Nr. 30, Anm. 24).

39 In Merseburg hatte zu diesem Zeitpunkt Herzog Christian II. von Sachsen-Merseburg (1653-1694), der seit 1679 mit Erdmuth Dorothe (gest. 1720), Tochter von Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz, verheiratet war, seine Residenz (Zedier 20, 1038£).

40 Der Mädchenname dieser ersten Ehefrau Bielefelds ist entgegen der Angabe von Diehl (vgl. Diehl, Hassia sacra 2, 47) nicht bekannt (vgl. Mack, Pietismus und Frühaufklärung, 146, Anm. 461).

41 Dieser Tatbestand wurde später von den Gegnern des Pietismus als Beleg dafür verwendet, daß die Rede vom gottseligen Leben nur Heuchelei sei (vgl. Ausführliche Beschreibung |s. Brief Nr. 81, Anm. 17], 31f). Die Ehe war in Merseburg durch den Hofprediger Christian Crusius geschlossen worden (Diehl, Hassia sacra 2, 47).

42 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).

43 Georg Michael Laurentius (2.5.1670-16.11.1724), geb. in Wiegleben bei Gotha; 1690 Studium in Jena, 14.4.1692 Halle, 1694 Informator in Gotha, 1695 Studium in Gießen; 1697 Pfarrer in Schönau v.d.W., 1700 Pfarrer in Tüttleben, 1715 Pfarrer in Gahma, 1716 Pfarrer in