Nr. 38 A.H. Francke an Ph.J. Sporn 6. 8. 1692
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Wegen Herrn Luppii 10 berichte, daß er sich hier ab und zu auffhält, seine Sachen aber im buchladen unter der Bibliothec verkauftet werden, der buch- fuhrer heisset Zeidler 11 . Könte zugleich den Leuten der wahn benommen werden, daß Herr D. Breithaupt 12 und ich an der auffnahme fremder und verdachtiger bücher nicht Schuld trügen, sondern vielmehr dawieder wären, 20 möchte es auch zu einigem guten dienen. 13 Denn dieses so gar fest in den Gemüthern sitzet.
Meinen auffsatz vom Gebrauch des Gesetzes und Evangelii 14 erwarte nun bald wiederum zurücke 15 , erfreue mich aber am meisten, daß mein theurester Vater sich an gleiche arbeit machet. 16 Wegen Herrn Wolters 17 habe dem 25 jungen Kirchen 18 gesaget an meinen theuresten Vater zu schreiben, als welcher seinen zustand ziemlich genau wargenommen. Daß er zu sie kommen wollen 19 , daß wird wohl nicht geschehen, als welches wieder alles sein thun läufft. Die übersanten beylagen 20 sind mir auch sehr angenehm.
Von Herrn Wiegeleben 21 zu Gotha empfangen wir gar gute zeitung, 22 wird 30 aber auch vom Städtischen] Magistrat und dem einen prediger, Hacken 23 ,
27 sie ] + (,>.
"' Andreas Luppius (s. Brief Nr. 32, Anm. 9).
11 Christoph Andreas Zeidler (gest. 1745) aus Frankfurt/Oder. Mit der Errichtung der Universität verlegte er seine Druckerei nach Halle (1694 ?) und fing einen „Disputationshandel" an (Dreyhaupt 2, 56).
12 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
13 Zu Luppius Buchhandel vgl. Brief Nr. 32, Z. 17-26 und Nr. 37, Z. 44-46. Entsprechend den hier von Francke gemachten Angaben verfaßte Spener einen Brief an den Kurfürsten (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 129, 1690-1700, Bl. 189) und erwirkte für Luppius ein Verkaufsverbot (s. Brief Nr. 40, Anm. 12).
u S. Brief Nr. 37, Anm. 18.
15 Spener sandte den Aufsatz am 16.8. zurück (s. Brief Nr. 43, Z. 3-5).
16 Vgl. Brief Nr. 37, Z. 25-40 und Anm. 20.
17 Christian Theodor Wolters (s. Brief Nr. 16, Anm. 20).
18 Gottlieb Kirch aus Lobenstein i. Vogtland, der 1687 in Leipzig und 1692 in Halle immatrikuliert war (Matrikel Leipzig, 218; Matrikel Halle, 77; Leube, 184 [hier Verwechslung mit dem Vater, Gottfried Kirch, und „Kirsch" statt „Kirch" als Nachname]; vgl. D. Döring, Der Briefwechsel zwischen Gottfried Kirch und Adam A. Kochanski 1680-1694. Ein Beitrag zur Astronomiegeschichte in Leipzig und zu den deutsch-polnischen Wissenschaftsbeziehungen, Berlin 1997 [Abhandlungen der sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse, 74/5], 22-25. 79-88). - Gottlieb und Gottfried Kirch gehörten zu den entschiedensten Anhängern Franckes in Leipzig. Mit Gottlieb Kirch war Francke im Februar 1690 nach Lübeck gereist und hatte Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33) in Lüneburg besucht (Döring, 22, Anm. 78). Als Petersen im Mai 1690 Leipzig besuchte, nahm Gottlieb Kirch an dessen Versammlungen teil (Matthias, 244).
19 S. Brief Nr. 37, Z. 40-43. 211 S. Brief Nr. 37, Z. 53-56.
21 Johann Hieronymus Wiegleb (s. Brief Nr. 8, Anm. 15).
22 Wiegleb hatte Francke am 21.7.1692 aus Gotha berichtet (AFSt/H C 243:5).
23 Johann Conrad Hack (1639-12.5.1696), geb. in Schweina; 1663 Kantor in Goldbach bei Gotha, 1665 Pfarrer in Klettbach, 1666 Subdiakon in Gotha, 1670 Diakon ebd.; 1692 Amts-