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Nr. 38 AM. Funcke an PhJ. Später 6. 8. 1692
angefochten. 24 Dieser hat sich bisher dem guten sehr wiedersetzet, ist für die Obervormundschafft 25 gefordert, hat da die studiosos beschuldiget, 26 welche sich aber verantwortet in Gegenwart des Erbprintzen 27 , ist ihnen drauff vor 35 der Obervormundschafft zu predigen befohlen, 28 dem prediger ist, so viel ich nachricht habe, straffe 50 thaler angekündiget, 29 er ist nach Jena gereiset, ist da durch Herrn Götzen 30 gesteiffet worden, drauff er es in Gotha wieder
34 vor ] + (es).
enthebung aufgrund von Auseinandersetzungen um pietistische Konventikel (vgl. Z. 32—40);
1694 Pfarrer und Adjunkt in Körner (Pfarrerbuch Gotha, 295f; Koch, Fergen [s. Brief Nr. 34, Anm. 6], 190).
24 An Predigten des Diakons Hack hatten sich bereits im Winter 1691/92 Auseinandersetzungen um pietistische Konventikel in Gotha entzündet. Bürgermeister und Rat hatten sich dabei auf die Seite Hacks gestellt und seit Juni 1692 mehrere Beschwerden über die Veranstaltung von Privatkonventen unter Hinzuziehung ungelehrter Leute und die Verbreitung falscher Lehre wie den Perfektionismus durch einige Kandidaten und Pfarrer (u.a. Wiegleb) beim Konsistorium eingereicht (vgl. Fergen, Wahrhaftiger Bericht [s. Brief Nr. 34, Anm. 6], 23-28; Koch, Fergen, 193f).
25 Folgende Söhne Herzog Emsts des Frommen von Sachsen-Gotha hatten 1691 die Vormundschaft über die Kinder Herzog Friedrichs I. von Gotha übernommen: Bernhard (10.9.1649— 27.4.1706), der seit 1680 Herzog von Sachsen-Meiningen war, und Heinrich (19.11.1650— 13.5.1710), der seit 1680 Sachsen-Römhild regierte (Zedier 3, 1381f u. 32, 349f; Beck 1, 780. 782).
26 Die obervormundschaftliche Regierung hatte eine im Frühsommer 1692 von vier Kandidaten der Theologie abgefaßte Stellungnahme an das Konsistorium weitergegeben, das Hack am 28.6. befragte. Hack brachte detaillierte Vorwürfe gegen Wiegleb (s. Anm. 21), Philipp Joachim Heybach (1661—1694), Johann Conrad Kessler (s. Brief Nr. 10, Anm. 5) und Johann Adamjacobi (1664-1733) vor (s. Koch, Fergen, 192f).
27 Friedrich IL, Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg (28.7.1676—23.3.1732), geb. in Gotha; 1692/93 Reise nach Holland und England; bis 1693 unter Vormundschaft (s. Anm. 26),
1695 Heirat mit Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst, 1697 Übernahme des Direktoriums der Evangelischen Kirche in Sachsen, übertragen durch Kurfürst Friedrich August; 1715—17 Gründung eines Waisenhauses in Altenburg (DBA 349, 265; ADB 8, 3; Zedier 9, 2002; R. Jacobsen, Die Gothaer Hofkultur unter Herzog Friedrich L, in: Frühneuzeitliche Hofkultur in Hessen und Thüringen, hg. J. Berns u. D. Ignasiak, Erlangen, Jena 1993 [Jenaer Studien, 1], 167-181; Friedrich L, Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg. Die Tagebücher 1667—1686, hg. Thüringischen Staatsarchiv Gotha, bearb. v. R. Jacobsen u. Mitarb. v.J. Brandsch, 2 Bde., Weimar 1998/2000 [Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, 4/1—2]).
28 Den beschuldigten Kandidaten der Theologie (s. Anm. 26) gelang es am 29.6.1692 in einem Verhör durch das Konsistorium in Anwesenheit der vormundschaftlich regierenden Herzöge (s. Anm. 25) und Friedrichs IL (s. Anm. 27), überzeugend darzustellen, daß nicht ihnen, sondern Hack der Vorwurf falscher Lehre zu machen sei (vgl. Koch, Fergen, 192f).
29 Am 5.7.1692 folgte eine Vorladung Hacks vor den Geheimen Rat und die Auferlegung der erwähnten 50 Taler Strafe wegen Stiftung von Unfrieden (vgl. Koch, Fergen, 191. 195).
30 Georg Götze (Pseudonym Gottfreund) (11.6.1633-3.4.1699), geb. in Frauenprießnitz bei Jena; 1652 Studium in Jena, 1656 Hofmeister der Kinder des Geheimen Rats Rudolf Wilhelm Krause in Weimar, 1661 Adjunkt der phil. Fakultät in Jena, 1665 Prof. der Ethik, 1672 Lic. theol. und Pastor primarius in Erfurt; 1681 Superintendent an St. Andreas in Hildesheim, 1684 Generalsuperintendent, Kirchenrat und Oberhofprediger in Jena (DBA 404, 359-361; Jöcher 2, 1049; Pfarrerbuch Erfurt, 166; Pfarrerbuch Hannover 1, 501f).