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Nr. 39 AM. Francke an Ph.J. Spetier \9. 8. (?) I692j
hingehet, sehe ich nicht wie es endlich werden wil, und wäre kein wunder, wenn ein Sturm und auffruhr erreget würde. Ich dancke Gott, daß wir alles
30 fein angezeiget haben, und man uns also die Schuld nicht geben kann, daß man es nicht bey Zeiten gemeldet.
Aus des Herrn Rechenbergs 22 brieffe 23 vernehme, daß der Herr von Sek- kendorfF 24 nicht sonderliche lust zu haben scheine, um meiner Sache willen alleine herzukommen. 25 Der Herr hat mich bißher aus allem getreulich er-
35 löset, er wird und wil mich ferner erlösen. Vielleicht wil es Gott nicht haben, daß Menschen helfFen sollen, sondern uns durch leiden also prüffen, sonst wäre es ja wol für Menschen äugen leicht eine änderung zu machen.
Mit Luppio 26 habe wegen der dedication 27 wohl geredet, ist aber schon zu spät gewesen, 28 und wüste er auch schon, daß man seine Sachen wolte ver-
40 bieten lassen 29 , sagte man könte es versuchen. Gewiß ist es wenn diese dinge nicht alle mit rechtem Ernst und Eiffer vorgenommen werden, wird es wenig
32 /vernehme/.
22 Adam Rechenberg (s. Brief Nr. 1, Anm. 6).
23 Nicht überliefert.
24 Veit Ludwig von Seckendorf (s. Brief Nr. 1, Anm. 4).
25 Seckendorf hatte am 8.8.1692 bereits selbst an Francke geschrieben (s. Brief Nr. 36, Anm. 10), Francke hatte diesen Brief aber noch nicht erhalten. Aus dem Schreiben geht hervor, daß von Seckendorf gegenüber dem Ansinnen, in der Kommission mitzuarbeiten, zunächst sehr reserviert gewesen ist. Das lag zum einen daran, daß er eigentlich seit Monaten auf eine kurfürstliche Resolution wegen seiner Einsetzung zum Kanzler der Universität (s. Brief Nr. 28, Anm. 11) wartete und es für unklug hielt, vor Eintreffen dieser Resolution nur zur Regelung der Auseinandersetzungen zwischen Francke und seinen Beichtkindern nach Halle zu kommen. Zum anderen konnte er nicht verstehen, „warum kein Theologus, alß doch in solchen /Amts- und/ Gewißenssachen erfordert wird, hierbey gebraucht werden könne oder solle" (AFSt/H C 661:1). Zum dritten fragte er sich angesichts der Information, daß Gottfried von Jena (s. Brief Nr. 16, Anm. 11) seine Mitarbeit als Vorsitzender der Kommission abgelehnt habe (s. Brief Nr. 38, Z. 79—81 und Anm. 52), wer an dessen Stelle und in welcher Rolle Kommissionsmitglied werden sollte. Vgl. auch Rechenbergs Brief an Spener vom 6.8.1692 (UB Leipzig MS 0336: 173f).
2,1 Andreas Luppius (s. Brief Nr. 32, Anm. 9).
27 S. Brief Nr. 37, Z. 47-49.
28 Gemeint ist die Widmung des Gesangbuchs unter dem Titel „Andaechtig Singender Christen=Mund/ Das ist: Wahrer Kinder GOttes Geheiligte Andachten [...]" (s. Brief Nr. 32, Anm. 9). Außer Spener ist das Gesangbuch Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33), Günther Heiler (s. Brief Nr. 42, Anm. 30), Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36), Francke, Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12) und Andreas Achilles (s. Brief Nr. 8, Anm. 9) gewidmet. Die Problematik der Widmung besteht sowohl in der Gleichsetzung Speners mit separatistischen Vertretern des Pietismus als auch darin, daß Luppius seine eigene Verlegertätigkeit hiermit durch Spener und Francke wie auch Breithaupt zu legitimieren sucht. In der Untersuchungskommission des Jahres 1692 spielte der aus einer Zusammenarbeit mit Luppius abgeleitete Separatismusvorwurf gegen Francke und Breithaupt eine zentrale Rolle (vgl. Brief Nr. 58, Z. 9-14 und Anm. 8).
29 Vgl. Briefe Nr. 32, Z. 20-22 und Nr. 38, Anm. 13.