Nr. 39 A.H. Francke an Ph.J. Später [9. 8. (?) I692j
159
großer Frevel, den die Obrigkeit billig bestraffen solte. Herrn Schillingen" ist ein brieff auff der Post neulich auffgefangen 12 , und so viel ich weiß auch an mir einer 13 , damit man sich tragen soll. Und hat so fort ein böser bub 14 unter dem Namen Riegler einen brieff an M. Langen 15 fingiret, und vieles auszuforschen gesuchet, den wir in originali von M. Langen geschickt bekommen. 16 Dieser tagen hat wieder einer an der Post nach Schillings brieffe gefraget. Wird der boßheit nicht gesteuret, wird Sie wohl weiter greiffen. Sonderlich wenn alles ist, als thäte man Gott einen dienst daran.
Die lästerungen und Schmähungen, so wol privatim als öffentlich von der Cantzel vermehren sich auch immer, und haben Herr Schräder 17 und Nicolai 18 am Sontage, und auch dieser am Montage wieder schrecklich gescholten, insonderheit aber von dieser letzten charteque 19 anlaß genommen. So traget man sich auch damit, daß meine klagende beichtkinder 20 haben die Acta von Erffurt 21 bringen lassen, und freuen sich die leute schon darauff daß Nicolai der prediger sie auff die Cantzel bringen wil. Wenn also frey alles
Regina Lanckisch (s. Brief Nr. 47, Anm. 9) geleitet, 1695—1719 von Friedrich III. Lanckisch (Paisey, 150; Gierl, 349fl).
11 Johann Andreas Schilling (s. Brief Nr. 10, Anm. 27).
12 Möglicherweise handelt es sich um den in der Ausfuhrlichen Beschreibung abgedruckten Brief von Johann Christian Lange an Johann Andreas Schilling vom 29. Juni 1692 (Ausführliche Beschreibung [s. Brief Nr. 81, Anm. 17], 60-66).
13 Nicht ermittelt.
14 Nicht ermittelt.
15 Wohl Johann Christian Lange (25.12.1669—16.12.1756), geb. in Leipzig; 1685 Gymnasium in Zittau, 1687 Studium in Leipzig (1689 Magister), wo er in die Unruhen um Francke verwickelt war; 1691 Hauslehrer des Ehepaares Petersen, 1694 akademische Vorlesungen in Leipzig; ab 1697 mit Gottfried Arnold in Gießen und zunächst ao. Prof. phil., dann o. Prof. der Moralphilosophie; 1707 Prof. für Logik und Metaphysik; 1716 Dr. theol. und Superintendent, Konsistorialrat, erster Hofprediger und Scholarch in Idstein/Taunus, 1724 Generalsuperintendent und erster geistlicher Kirchenrat der Idstein-Saarbrückischen Länder (Jöcher, EB 3, 1219—1224; Matrikel Leipzig, 249; Francke, Streitschriften, 52f u.ö.; Leube, 206f u.ö.; Diehl, Hassia Sacra 2, 430f; Matthias, 300; vgl. auch Anm. 12).
16 Der Brief ist nicht überliefert.
17 Christoph Schräder (s. Brief Nr. 30, Anm. 14).
18 Christian Nicolai (s. Brief Nr. 34, Anm. 3).
19 Es dürfte die Eigentliche Nachricht (s. Brief Nr. 38, Anm. 42) gemeint sein.
20 Namentlich erwähnt werden Jacob Vogler und Elias Naumann (s. Brief Nr. 28, Anm. 6). Sie hatten Francke wegen des Ausschlusses vom Abendmahl verklagt.
21 Die die Auseinandersetzungen Franckes und Breithaupts in Erfurt vom Ende des Jahres 1690 bis zum September 1691 (vgl. Briefe Nr. 11-13) betreffenden Schriftstücke bilden im AFSt/H bis heute selbständige Akten oder Aktenteile (D 89; A 124; A 111 [Teile 2/3] vor allem Francke betreffend [Abschriften]; D 106' l/b vor allem Breithaupt betreffend [Abschriften]; vgl. die von Wolfgang Breithaupt erstellten Repertorien zur Wirksamkeit Franckes in Erfurt [s. Brief Nr. 12, Anm. 19 und Nr. 23, Anm. 29]). Inwieweit diese Autographen oder Abschriften tatsächlich aufgrund der Initiative von Glauchaer Gemeindegliedern nach Glaucha bzw. Halle gekommen sind, läßt sich nicht feststellen. Die in seinem Besitz befindlichen Erfurter Akten hatte Francke zusammen mit seiner Apologie bereits am 30.1.1692 nach Berlin gesandt (s. Brief Nr. 19, Z. 11-15 und Z. 28f).