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Nr. 44 AM. Francke an Ph.J. Spener 20.8.1692

darnach man am besten die mesures ohne Zweiffei wird nehmen können. Ich hoffe er habe sich der Sachen insgemein bey uns wohl genug erkundiget, und auch so viel tentiret, daß er klar genug siehet wie die Sachen lauffen. Denn weiter hat er nichts vornehmen können, weil wegen der particulier Sache 8 ihm allein nichts committiret worden, und der Herr Cantzler 9 mitlerweile abwesend gewesen. Ich habe ihm eine kurtze beantwortung der inculpationen in Sachen Jacob Voglers 10 und Elias Naumann" schrifftlich gegeben 12 , die er seinem bericht beylegen wird.

Herr Kammerrath Kraut 13 hat ziemlich an mich gesetzet wegen des in- spectorats zu Kalbe, so gar daß er auch gesaget, daß morgen schon leute von Kalbe mich zu hören da seyn würden, 14 auch es so fort selbst in der Stadt propaliret 15 , qasi certo futurum. Ich erkenne nil minus als characteres divinae vocationis in der Sache, hoffe dennoch ihm allezeit auffs bescheidenste ge­antwortet zu haben, versichere mich aber, daß des Herrn von Seckendorff wiederspruch ihn in etwas zu andern gedancken werde gebracht haben. Meine Gemeine ist dadurch sehr allarmiret, daß sie gehöret, daß ich von ihnen kommen solte, und werden mir dadurch vieler hertzen Gedancken offenbar, die meisten lassen sichs einen Ernst seyn mich zu behalten, und sind deswegen einige auch ohne mein Geheiß bey Herrn von Seckendorff gewesen. 16 Hingegen verursachet mir es allerhand Unruhe und Verwirrung,

24 propaliret J propagiret: D. 28 ist ] + ist: A [Dittographie].

Befragung Franckes und seiner Gemeindeglieder am 18.8. verfaßte Seckendorf am 19.8.1692 einen Bericht über/die Situation in Glaucha bzw. Halle an den Kurfürsten (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 159b, 15^1-1699, Bl. 340-345, u. Nr. 130, 1691-1762, Bl. 230 u. 250 [Anschreiben]; ThStA Altenburg, Familienarchiv von Seckendorf, Nr. 1067, Bl. 207-214 [Entwurf]; vgl. Lotze, 62f; vgl. Brief Nr. 46, Anm. 4).

8 Der Streit Franckes mit seinen vom Abendmahl ausgeschlossenen Glauchaer Beichtkindern (s. Briefe Nr. 28-31 u. 34-36).

9 Gottfried von Jena (s. Brief Nr. 16, Anm. 11). 111 Jacob Vogler (s. Brief Nr. 28, Anm. 6).

11 Elias Naumann (s. Brief Nr. 28, Anm. 6).

12 Franckes „Kurtze Beantwortung des ersten Klagschreibens von Jacob Voglern und Elias Naumann vom 22. Jun. Ann. 1692" (ThStA Altenburg, Familienarchiv von Seckendorf, Nr. 1067, Bl. 198-203 r ; GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 130, 1691-1762, Bl. 231-234" [Abschrift]) und „Ant­wort auff das andere Memorial Jacob Voglers und Elias Naumanns vom 5. Jul. Ann. 1692" (ThStA Altenburg, aaO, Bl. 205-206'; GStA PK, aaO, Bl. 234 v -235 v [Abschrift]) vom 18.8.1692 (Entwurf des Anschreibens ThStA Altenburg, aaO, Bl. 197; vgl. Lotze, 62, Anm. 224).

13 Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4).

14 Von Kraut intendierte, Francke als Inspektor nach Calbe zu versetzen (s. Brief Nr. 43, Z. 16—20 und Anm. 8), und hatte in Halle mit ihm selbst darüber gesprochen (vgl. die Hinweise auf seinen Besuch in Halle in den Briefen Nr. 31, Z. 57-59 und Nr. 37, Z. 10). Gleichzeitig hatte er dem Syndicus von Calbe, Rechenbach (?), nahegelegt, nach Halle zu fahren und Francke zu hören (vgl. Breithaupts Brief an Spener vom 27.8.1692, AFSt/H D 88: 31, und Brief Nr. 62, Z. 21-31).

15 Lat. offenbaren, kundtun, mitteilen.

16 Offenbar am Tag der Befragung Franckes und seiner klagenden Beichtkinder (18.8.) hatten