198

Nr. 50 A.H. Francke an Ph.J. Später 20. 9. 1692

60 steters Hallensis 28 (der insidiose als ein passagier zu mir kommen, u. ihm seine dubia beantwortet, als er vermuthlich schon diese Schrifft unter händen gehabt) einsenden wollen. 29 Und weil ich aus der[o] Schreiben 30 ersehe, daß das scriptum schon bey Ihnen ist, hoffe sie werden die liebe erweisen solches all[da] beyzulegen 31 , daß ichs nicht mit auff der post schicken darff. Gott wird 65 ja alles zu seinen h. Ehren endflich] hinaußführen. 32

Wieder die Entdeckung der boßheit 33 ist auch wieder eine Charte von Leip­zig 34 kommen mit Unwarheiten, welche ich gleich obiter angemercket 35 .

Von unsern studiosis berichte, daß gar viele sich von hier wegwenden bloß auß arm[uth,] weil so gar keine rechte anstalt für arme studiosos gemachet ist, 70 und solte ja wohl dieses das erste seyn, so würden wir bald eine güte Menge haben: Gott wird ja alles wohl machen 36 [.]

Ich ergebe hiermit dieselben der Gnadenhand Gottes, verharrend

Meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn

M. Augfust] Hermann Francke.

75 Glfauche] an Halle den 20. Sept. 1692.

P.S. Dero geliebten Maximilian 37 möchte wol Halle eben so ungesund nicht seyn 38 , berichte aber auffrichtig, daß wegen unordentlicher diaet zu un­terschiedlichen mahlen klage über ihn kommen, welches seine ohne dem schwache natur nicht ertragen mag. Sonst versichere, daß ich ihn hertzlich so liebe und auff mein zureden auch ein flexibel gemüthe bey ihm gefunden.

62 der[o]: cj. 64 all[da]: cj. 65 end[lich]: cj. 69 arm[uth,]: cj (Rand eingeklebt).

28 Johann August Drachstedt, geb. in Halle; 1689 Studium in Kiel, 1692 in Wittenberg (13.10.1692 Magister), 1693 in Halle; 1699-1703 Prediger in Niemberg bei Halle, abgesetzt wegen geistiger Verwirrung, lebte dann als Quacksalber (Matrikel Halle, 124; Matrikel Kiel 36, Nr. 1799; Dreyhaupt 2, 608; Pfarrerbuch KPS 2, 360). Drachstedt wurde wegen des Vorwurfs, er habe die o.g. Schrift (s. Anm. 27) verfaßt, am 21.11.1692 vor der Untersuchungskommission verhört (AFSt/H D 92: 129f; vgl. Brief Nr. 60, Anm. 5 und Nr. 168, Z. 61-66).

29 Ein entsprechendes Memorial ist nicht überliefert.

30 Francke dürfte den ihm bekannten, oben erwähnten Brief Speners an Breithaupt meinen.

31 Spener soll ein Exemplar des Wohlgemeinten Bedenkens dem diesbezüglichen Memorial beilegen.

32 Jes 28,29.

33 A.H. Francke, Entdeckung der Bosheit (s. Brief Nr. 38, Anm. 46).

34 G.Chr. Marquart, Kurtze Antwort Auff M. August Hermann Franckens/ Pfarrers zu Glau­cha bey Halle/ Entdeckte Bossheit ueber Seine drey begeisterte Maegde [...], [Leipzig 1692].

35 Vermutlich meint Francke, daß er die genannte Schrift Marquarts in dem neuen Memorial wegen des Wohlgemeinten Bedenkens (s. Z. 5864) auch behandelt.

36 Ps 37,5b.

37 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).

Zur Entscheidung, Christian Maximilian nach seiner Genesung in Leipzig nicht wieder nach Halle zu schicken, s. Brief Nr. 49, Z. 33-41.