206

Nr. 53 AM. Francke an Ph.J. Später 21. 9. 1692

Der M. Drachsteter 10 , ist ein junger Academicus, neulich zu Wittenberg

15 Magister worden, erst wieder in patriam kommen, 11 soll, wie ich höre, mit auff der probe predigen an Rothens stelle. Ist zu mir kommen als ein passagier, und hat mir seine dubia, als er wol die Schrifft 12 vielleicht schon fertig gehabt, proponiret, drauff ich ihm auch solche antwort geben. Deren mich kein wort gereuet. Von D. Carpzfovs] 13 fürnehmen de progrfammate] Pentecfostali]'' 1

2o bin auch versichert worden.

Für die große wolthat an armen studiosos 15 sey der Herr dem Geber ein vergelter, es ist mir dadurch eine rechte Erquickung wiederfahren, so viel man kan, soll ausgeleget werden. Wegen der armuth der studiosorum sind die leute hin und wieder mit Praeceptoribus versehen worden, so sonst auch vielleicht

25 nicht geschehen wäre, denn der Herr regiret alles nach seinem wolgefallen."' Herr Laurentius 17 ist nach Gotha gereiset, und wird von uns, so er daselbst sein Stipendium wieder erhält, so er ehemals in Jena gehabt 18 , wieder erwartet, ist mir gar von keiner pertension 19 die er zu machen habe, oder noch machen wolle, etwas bewust. In Merseburg ist einer Namens Müller 20 , der von dem

30 Canonicat Geldern daselbst geniesset, ist beweibet 21 , und hält eine privat- Schule, seine conversation möchte dem lieben Maximilian 22 wohl dienlich seyn, er wohnet bey des Hoff-Diaconi 23 hause. Ich hätte auch sonst ohne

18 Deren ] Davon: D. 22 ist ] + in: D. 28 pertension ] praetension: D.

10 Johann August Drachstedt (s. Brief Nr. 50, Anm. 28).

11 Drachstedt war 1692 als Student von Kiel nach Wittenberg gekommen. Er wurde aber erst am 13.10.1692 Magister (Matrikel Halle, 124), so daß hier von einem Irrtum Franckes aus­gegangen werden muß.

12 Wohlgemeintes Bedenken (s. Brief Nr. 50, Anm. 27).

13 Johann Benedikt (II.) Carpzov (s. Brief Nr. 12, Anm. 16).

14 Gemeint ist die beabsichtigte Verteidigung des Leipziger Pfingstprogramms von 1691 durch Carpzov (s. Brief Nr. 51, Z. 16-18).

15 S. Brief Nr. 52, Z. 47-51.

16 Vgl. Ps 145.

17 Georg Michael Laurentius (s. Brief Nr. 32, Anm. 43).

18 Möglicherweise handelt es sich um das Gothaer, wohl auf Georg Frantzke (15941659) zu­rückgehende Franzkianische Stipendium, das auch Johann Hieronymus Wiegleb (s. Brief Nr. 8, Anm. 15) erhalten hatte (Zedier 9, 1752; ADB 7, 276; vgl. Sagittarius an Wiegleb, 25.7.1690 [s. Brief Nr. 8, Anm. 16], [7]).

Ausdehnung". Gemeint ist offenbar, daß Laurentius sich nicht langer in Gotha aufhalten

wird.

20 Möglicherweise Georg Karl Müller aus Merseburg, der am 15.7.1696 im Glauchaer Waisen­haus zum Ökonom angenommen wurde (Annales, 386).

21 Der Name der Ehefrau wurde nicht ermittelt.

22 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).

23 Wohl Christian Crusius (get. 4.4.1643-27.7.1715), geb. in Weißenfels; 1670 Pfarrer in Keutschberg bei Bad Dürrenberg, ab 1678 Diakon am Dom in Merseburg (Pfarrerbuch KPS 2, 238). Da der Superintendent am Merseburger Dom zugleich das Amt des Hofpredigers innehatte, ist anzunehmen, daß Crusius als Diakon am Dom auch Hofdiakon war. Möglicherweise täuscht Francke sich aber auch in der genauen Amtsbezeichnung.