Nr. 53 A.H. Francke an Pli.J. Spam 21. 9. i692
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dem gerne seiner gedacht, wie er einen ordentlichen beruff [erlange] in der Schule oder im predigamt, so es etwa dem Herrn gefiele eine Gelegenheit für ihn zu zeigen, die Frau scheinet auch in feinem zustande des Christenthums 35 zu stehen.
Herr D. Hinckelmann hat mir dieser tagen geschrieben 24 und berichtet, daß er ein Manuscriptumr 3 gesehen von Herrn Stengern 26 , welches so es solte ediret werden, viele ungelegenheit machen dürffte, in dem er darinnen vieles wieder die pietisten habe, so er bey ihnen zu Halle und Erffurt solte ange- 40 mercket haben. 27 Herr D. Hinckelmann will nicht genennet seyn. Solte mein theurester Vater die Mühe wohl nehmen wollen, ihn treulich von solchem fürnehmen abzumahnen, würde es ja wohl nicht ohne Seegen seyn. 28 Zum nechsten mahl daß ich wieder schreibe, wil ich auch ein Schreiben an ihn beylegen. Ich hätte ihm traun 29 solches nicht zugetrauet, sonderlich da er sich 45 so wol gegen mich erkläret. Der Herr wolle alles zum besten richten.
Hiemit verharre nechst Empfhelung in göttliche Obhut meines theuresten Vaters Gehorsamer Sohn
M. Augustus Hermann Francke.
Glauche an Halle den 27. 7br. 1692. so
Dem Hochwurdigen, in Gott andächtigen und Hochgelahrten Herrn, Herrn Philipp Jacob Spenern der H. Sch[rifFt] D. Churfürstlich Brandenburgischen Consistorial Rath und Inspectori In Berlin.
Francö 55
33 [erlange]: cj (Wort fehlt). 34 predigamt ] + erhalte: D. 38 Stengern ] Steeger: D. 38 so(lt). 50 27. 7br. ] 17. Febr.: D.
24 Der Brief Abraham Hinckelmanns (s. Brief Nr. 7, Anm. 7) datiert vom 21.9.1692 (AFSt/H D 115a: 127-130).
25 Vermutlich handelt es sich um: Wegen Revelation der Adelichen Jungfern Rosemundae Julianae von Aßburg durch D. Petersen heraußgeben. ludicium Joh. Melch. Stengeri, Inspect. Wittstock, 18. Jan. 1692 (SUB Göttingen. Acta Pietistica II, Nr. 50).
26 Johann Melchior Stenger (s. Brief Nr. 36, Anm. 1).
27 Stenger äußert sich in der 14 Seiten umfassenden Abhandlung hart gegen die Veröffentlichung der Offenbarungen Rosamunde Juliane von der Asseburgs (s. Brief Nr. 15, Anm. 17) durch Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33; Send=Schreiben an einige Theologos [s. Brief Nr. 38, Anm. 45]) und überhaupt gegen den Chiliasmus. Dieser sei dem Pietismus, zu dem Stenger sich auch bekenne, sehr abträglich und vom Satan. — Stenger informierte Francke in einem Brief vom 22.9.1692 selbst über Auseinandersetzungen mit Johann Winckler (s. Brief Nr. 7, Anm. 5) wegen des Manuskripts (AFSt/H C 752: 1).
28 Ein entsprechendes Schreiben Speners an Stenger ist nicht überliefert.
29 S. Brief Nr. 14, Anm. 17.