208 Nr. 54 Ph.J. Später an A.H. Francke 1.10.1692

54. Ph.J. Spener an A.H. Francke

Berlin, 01. Oktober 1692

Inhalt

Hat das Memorial wegen Albrecht Christian Rotth doch noch an Franz von Meinders geschickt. Hält es für klug, daß Francke sich auch weiterhin nicht auf Verhöre vor dem Konsistorium einläßt. - Erkundigt sich erneut nach Johann Baptist Croph. - Hat Francke und Breithaupt Ex­emplare seines Sieges der Wahrheit und der Unschuld sowie seiner Seligkeit der Kinder Gottes nach Halle senden lassen. Bittet um Information über die Bestimmung übersandter Exemplare des Neuen Testaments.

Überlieferung

A: AFSt/HA 125: 21

D: Kramer, Beiträge, 261-262; Tholuck 2, 8-9

Göttliche gnade, friede, krafft, leben und sieg in Christo Jesu!

In demselben hertzlich geliebter Bruder, wehrter Herr.

Weil ich vorgestern 1 kein ander memorial bekommen, so habe das alte an Herrn Meinders 2 hinauß auff das land geschickt 3 , zum zeugnus, das derselbe nicht schuld noch sich vor dem Consistorio falsch drauff beruffen habe 4 , hingegen warum ich solches zurück gehalten. Wird also nichts verdorben sein: ich bin auch deswegen zu dem geheimen Secretario 5 gegangen, und auß der sache geredet. Ubermorgen hofft man Herrn v. Meinders wider hier zuhaben, nach dem seine liebste 6 in der nacht vorgestern gestorben: Seine abwesenheit hat mich zimlich gehindert. In der sache selbs wirds al­lerding wol gethan sein, das sich geliebter Bruder nicht eingelaßen. Dann da der commission die gesamten Streitigkeiten mit dem ministerio auffgetragen sind, 7 hat das consistorium nicht mehr darüber zu cognosciren [?], nach dem

9 liebste ] + (vorgestern).

1 29.9.1692.

2 Franz von Meinders (s. Brief Nr. 22, Anm. 26).

3 Memorial Franckes wegen Albrecht Christian Rotths Eilfertigem Bedenken (s. Brief Nr. 36, Anm. 13), ca. 3.9.1692 (Brief Nr. 48, Z. 17-19 und Anm. 9). Zu Speners Überarbeitungsvor­schlag vom 24.9. und von Meinders' Aufenthalt außerhalb Berlins s. Brief Nr. 52, Z. 1028.

4 Francke hatte im Verhör mit Rotth vor dem Konsistorium am 19.9.1692 behauptet, er könne sich auf das Verhör gar nicht einlassen, weil er sich in der Sache der Auseinandersetzung mit Rotth bereits an den Kurfürsten gewandt und noch keine Antwort erhalten habe (AFSt/H D 92: 37f; vgl. Brief Nr. 50, Z. 31-36).

5 Nicht ermittelt.

6 Luise Eleonore Meinders (s. Brief Nr. 52, Anm. 8).

7 Die Kommission hatte ursprünglich nur die Auseinandersetzungen zwischen Francke und