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Nr. 57 Ph.J. Später an AM. Francke 8. 11. 1692

von Gott ansehen, das es so sein sollen, nachdem man von keiner seit etwas contra fidem zu thun verlangt.

Die nachricht wegen meines Christian Maximilians 10 war mir lieb und

15 leyd": dieses das seine unart noch continuiere, da ich keinem kind mehr als ihm zugesprochen habe, und bereits von underschiedlichen jähren die meiste forcht seinetwegen gehabt, auch underschiedlich es ihm selbs gesagt: jenes aber, das meine sorge sovielmehr dardurch gelegenheit bekommen, ihn auffs neue zuerinnern. Wie ich den bereits nechste post so wol an Herrn L. Saltz-

20 mann 12 , bey dem er, und selbiger sehr Christlich gesinnet ist, geschrieben 13 , um desto fleißiger sorge aufF ihn zu haben, alß auch an ihn selbs eine beweg­liche schrifltliche erinnrung gethan 14 : Ich habe ihn auch dahin angewiesen, wie gleichfals Herrn L. Saltzmann davon eröfnung gethan, das er sich mehrmal bey Herrn Müllern 15 anmelden, und ihm alles deßen was er thäte rechenschaflt

25 geben solte. Ich wolte gern an Herrn Müllern selbs schreiben, wo mir nur der nahmen communicirt würde; wo es aufF deßen Seiten müglich wäre, sehe gern, das mein Sohn etwa wochenlich einmal eine vierthel oder halbe stunde zu ihm kommen könte, daß er mit ihm redete. Bitte mir darzu anleitung zu­geben, und wo es geschehen könte, in antecessum den weg bey ihm zu be-

30 reiten. Der Herr laße auch an dieser seele seine krafft u. güte sich erzeigen, ihn aufF richtige wege zubringen u. zuerhalten, darum ihn täglich anflehe.

Daß die gute Anna Maria Schuchartin 16 nach Halle auch kommen sollen 17 , wird Gott nicht vergebens geschickt haben: Indeßen ihr und andern weißheit geben, zu thun, was vor ihm geFällig ist 1 H . Mir ist lieb, das bereits die sache

35 undersuchet wird. 19 Dann dergleichen dinge je fleißiger sie undersuchet werden, soviel mehr mag hervorleuchten, was der Herr dabey hat. Wie dann die Wahrheit das Hecht nicht scheuet, sondern selbsten suchet. Was wegen

26 /der/. 27 /mein Sohn/ : (er). 33 nicht ] + haben: A [Dittographie].

'" Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Aura. 8).

11 S. Brief Nr. 55, Z. 5-22 und 77-84.

12 Johann Jakob Saltzmann (s. Brief Nr. 49, Anm. 30).

13 Nicht überliefert.

14 Nicht überliefert.

15 [Georg Karl (?)] Müller (s. Brief Nr. 53, Anm. 20).

16 Anna Maria Schuchart (s. Brief Nr. 22, Anm. 15).

17 Zum Aufenthalt Schucharts in Halle s. Brief Nr. 55, Z. 25-28 und Anm. 14.

18 lJoh3,22.

19 Am 4.11. war Schuchart vor den Rat der Stadt zitiert worden (vgl. J.A. Freylinghausen, Kurtze Relation von denjenigen Umständen, welche ich an der Erffurtischen A[nna] M[aria] am 4t[en] und 6t[en] [Novem]br[is] vor in und nach ihren Ecstasib[us] wahrgenommen, AFSt/H D 92: 253-255), wovon Spener aus anderer Quelle erfahren haben muß. Vom 5./8.11. datiert zudem der kurfürstliche Auftrag an Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3), Schuchart zu­sammen mit zwei Ärzten zu untersuchen (vgl. D 92: 230232 [Lit. D, Nr. 2]), der Spener ver­mutlich bekannt war (zu den weiteren Vorgängen um Schuchart in Halle vgl. Briefe Nr. 60, 66 und 69 sowie de Boot!, 96-99).