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Nr. 57 Ph.J. Spener an A.H. Francke 8.1t. 1692

Meines wehrten Herrn u. gelfiebten] Bruders zu gebet und liebe williger Ph[ilippj J[acob] Spener D. Mppria

Berlin den 8. Nov. 1692.

Herrn D. Breithaupten bitte einen hertzlichen grüß und liebe zuhinder- bringen.

Vor meiner letzten kranckheit in Franckfurt, da 30 wochen nicht auff die cantzel gekommen, habe ich mehr alß ein halbes jähr ohne eußerliche veranlaßung mich einer baldigen aufflösung versehen, und ungescheut dar- von geredet, so gar das alß den Schauder bey dem ersten angriff fühlte, ich solchen als den boten meines mich hereinruffenden Vaters, auff meine knie niederfallende, annahm. Doch richtete mich der Herr widerum also auff, das vorhin lange nicht so bestandig ohne schwehre kranckheit zugebracht. 33 Ach das er an unsren geliebten Bruder gleiches thäte, und unsern glauben hierüber stercken möge!

Herrn Herrn M. August Hermann Francken profjessori] Graecae et Or[ien- talium] Lingfuarum] publ[ico] und pastori zu Glaucha

33 Spener war vom 3.11.1684 bis 5.7.1685 erkrankt. Nach seiner eigenen Darstellung handelte es sich dabei um eine Schwäche, die nicht nur durch die Menge der Arbeit, sondern vor allem durch Anfechtungen und Ängste angesichts der Frage, ob die eigene Arbeit auch Frucht bringe, bedingt war. Seine Genesung, mit der er nicht mehr gerechnet hatte und die er der Fürbitte von Freunden zuschrieb, kennzeichnet er als einen Neuanfang (Bed. 3, 609-612; LBed. 2, 189fT; vgl. Grünberg 1, 209f).