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Nr. 58 A.H. Francke an Ph.J. Später 26. 11. 1692

aussage uns aber nicht communiciret ist. Wissen aber wol so viel, daß sie unsere Unschuld in allen stücken befunden.

Luppii 7 Sachen, so viel man hier von allerhand büchern finden können,

io hat man zusammenbracht, mit deren confiscirung mir zwar nichts zuwider geschiehet, wie mein theurester Vater ja wohl am besten zeugen kan, doch wäre mir ja wohl lieber, daß es vorhin als ich drum geschrieben, geschehen wäre, als nun, da man es unerachtet aller protestation auch der commission selbst causae communi und uns imputiren wird. 8 Aber der Rath des Herrn

15 ist unerforschlich. 9

D. Schräder 10 ist auch gefordert, hat seine ehemals gegen Herrn von Seckendorff erwehnte punete wiederholet, welche protocolhret und uns communiciret 11 , auch so fort von uns kürtzlich beantwortet worden 12 . Weil es aber meistens nur aufF den beweiß ankommen, haben wir durch ein memorial

2o die commission ersuchet, daß Herr D. Schrfader] entweder den beweiß der heterodoxiae praestiren, oder uns eine declaration von unser Orthodoxie geben möchte. 13 Da er nun für die commission beschieden, ist er zwar da ins hauß kommen, aber wieder weggegangen, und nachgehends hat er sich durch seinen bruder 14 aufF die commission bezogen. Bey Herrn D. Breithaupt hat

25.11. insgesamt etwa 25 Personen (Studenten, Bürger unterschiedlichen Standes, Geistliche aus Halle und Glaucha) befragt worden (vgl. D 92: 122-171).

7 Andreas Luppius (s. Brief Nr. 32, Anm. 9).

8 Francke hatte erstmals am 19.7.1692 erwähnt, daß Luppius in Halle Bücher vertreibe, und die Befürchtung geäußert, daß dessen Auftreten sich nachteilig auf seine und Breithaupts Sache auswirken könnte (s. Brief Nr. 32, Z. 1726 und Anm. 11). Aus dem Protokoll der Unter­suchungskommission geht hervor, daß die Frage, ob Luppius nicht für Francke und Breithaupt arbeitete, in der Tat zentral war, insofern Luppius vor allem Schriften mystischen und theo- sophischen Inhalts verbreitete (vgl. D 92: 102. 110. 138. 142-154. 161 u.ö.), wobei namentlich Schriften von Jacob Böhme (vgl. Brief Nr. 43, Anm. 19) im Mittelpunkt des Interesses standen. Christoph Schräder (s. Anm. 10) hatte seit August nachzuweisen versucht, daß Breithaupt durch Luppius Böhmes Schriften vertreibe (vgl. Brief Nr. 43, Z. 2628 und D 92: 143f, Aussage des Buchbinders Christoph Wetterkamm). Am 22.11. wurden im Auftrag der Kommission die Bücher, die Luppius bei Wetterkamm deponiert hatte, herbeigeholt und die etwa 110 Titel in einer Liste verzeichnet (D 92: 316-326, vgl. 143f).

9 Vgl. Rom 11,33.

111 Christoph Schräder (s. Brief Nr. 30, Anm. 14).

" Schräder wurde gleich zu Beginn der Untersuchungen am 18.11. von der Kommission gehört. Er betonte zunächst, daß er sich den vom Ministerium vorgebrachten Punkten anschließe, machte dann aber einige Ausfuhrungen, die laut Seckendorf hinter den Vorwürfen, die Schräder im Gespräch mit ihm am 18.8. vorgebracht hatte und die am 19.8. dem Kurfürsten berichtet worden waren (s. Brief Nr. 44, Anm. 7), zurückblieben (s. D 92: 98-109).

12 Francke und Breithaupt gaben ihre Antworten schriftlich am Rand des ihnen zugestellten Extrakts der von Schräder vorgebrachten Punkte und reichten das Schriftstück zusammen mit einem Memorial (s. Anm. 13) am 21.11. morgens ein (D 92: 223-225, vgl. 126f).

13 Memorial Franckes und Breithaupts vom 21.11. (D 92: 221-222 [Lit. C], vgl. 126).

14 Gottfried Schräder, praktizierender Jurist in Halle (Dreyhaupt 2, 713), erschien am 24.11. vor der Kommission und überbrachte im Auftrag seines Bruders Christoph die diesem am 21.11. zur Beantwortung übergebene Schrift Breithaupts und Franckes vom 21.11. (s. Anm. 12) mit der Bemerkung, daß dieser sich mit Francke und Breithaupt nicht einlassen könne (D 92: 167-169).