Nr. 58 A.H. Frauke an Ph.J. Spcm-r 26. 11. 1692

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er Montag abends 15 abschied genommen, aber quasi in transitu ohne mit auff 25 seine stube zu gehen, worauff Herr D. Breithfaupt] dienstags frühe ihm einen ernstlichen brieff geschrieben 16 , darauff er mündlich zu zweyenmahlen ant­worten lassen, es sey ihm leid, und wären böse leute Schuld daran, wären wir liebe leute so mögten wirs bleiben. Damit ist er weggereiset. 17

Am Mitwochen hat das ministerium unsere gravamina gar kurtz beant- 30 wortet 18 , so ichs also nennen sol, denn ich fast nichts weiß so recht beant­wortet wäre. Sie haben gantz impertinent beygeleget, was in Erffurt Herrn D. Breithfaupt] wegen von den Cantzeln abgelesen worden. 19 Da wir nun selben Tages für der commission angehalten solches zu beantworten, ists uns versaget worden, weil man von keinem theile fernere replicam annehmen 35 wolte. Doch ist Herrn D. Breithaupten ein memorial ad acta zu bringen vergönnet worden, den ungleichen verdacht, aus der impertinenten beylage, von sich abzulehnen. 20 Uns ist aber fürgeschlagen worden, wie wir beyden- theils condescendiren möchten einen vergleich auszurichten, sind uns auch einige puncte, so darinnen solten enthalten seyn, fürgestellet worden, welche 40 uns nicht gefallen wollen, und daher etwas wiewohl ohne sonderlichen effect dawider eingewendet. 21 Der auffsatz solches recesses 22 ist uns am Freytage communiciret worden mit dem bedeuten, daß wir bald unser bedencken mel­den solten. Da wir denn kürtzlich entworffen was uns bedencklich darinnen fürkommen. 23 Es ist die Haupt-Sache, daß man uns unschuldig befunden hat, 45 und doch das minist[erium] nicht zu schänden machen wil, daher ihr thun so gut man kan entschuldiget. 24 Was man nun auff solchen weg gutes schaffen werde, mag der außgang lehren. Werden keine exempel statuieret, ist das übrige auch wol vergebens. Wir aber begehren nicht um Rache zu schreyen, nur ist es uns sehr hart fürkommen auff solche dinge selbst zu compromit- so tiren 25 , und uns zu unterschreiben. Wir haben dagegen eingewant, so viel wir

15 21.11.1692.

16 Nicht überliefert.

17 Schräder hatte der Kommission schon am 18.11. angekündigt, daß er nur bis zum Dienstag, 22.11., in Halle bleiben könne (D 92: 109).

IR Schreiben des Stadtministeriums vom 23.11. (D 92: 305-310 [Lit. J]).

19 Das von dem Erfurter Stadtschreiber Immanuel Hogel (s. Brief Nr. 11, Anm. 8) unterzeich­nete Schreiben datiert vom 22.8.1691 (D 92: 311-314 [ad Lit. J]).

20 Das Memorial Breithaupts gegen die Erfurter Beilage datiert vom 25.11. (D 92: 336339 [Lit. M], vgl. 172).

21 Gemeint ist hier offenbar die Unterredung der Kommission mit Francke und Breithaupt vom 24.11. (D 92: 169-170).

22 Der Rezeß ist nur in der Endfassung vom 27.11. überliefert (D 92: 364-377 [Lit. Q]; vgl. Dreyhaupt 2, 121-124 und Brief Nr. 62, Anm. 10).

23 Das entsprechende Schreiben Franckes und Breithaupts wurde am 25.11. abgefaßt (D 92: 332-335 [Lit. L], vgl. 171).

24 Vgl. D 92: 367-369 (Endfassung des Rezesses vom 27.11., s. Anm. 22).

25 Von lat. sich gegenseitig versprechen, einem Schiedsspruch unterwerfen.