Nr. 61 Ph.J. Spctier an A.H. Fmnche 13.12.1692 237

61. Ph.J. Spener an A.H. Francke

Berlin, 13. Dezember 1692

Inhalt

Hält Erweis der Orthodoxie als entscheidendes Ergebnis der Untersuchungskonimission für wichtiger als nicht behandelte Themen. - Hat Vorbehalte gegen Franckes Bericht von Offen­barungen [Anna Maria Schucharts (?)]. - Konnte eine Versetzung Franckes und Breithaupts nur knapp abwenden. - Berichtet kurz von neuen Veröffentlichungen (Johann Friedrich Mayer, Johann Joachim Wolf, Christoph Timaeus). - Justus Lüders wird nicht Abt von Michaelstein.

Uberlieferung

A: AFSt/H A 125: 24

D: Kramer, Beiträge, 274-276; Tholuck 2, 13-15

Jesum und in demselbigen alles! In solchem liebsten Heiland geliebter Bruder.

Es ist wol an dem, daß die Commission sehr kurtz abgebrochen worden, aber wo es Commissarii sind, die eines orts nicht wohnhafFt, darff man ihnen auch allzulangen Verzug nicht zumuthen. 1 Indeßen haben wir gleichwol Gott dem 5 Herrn vor dasjenige demütigen danck zu sagen, was gleichwol außgerichtet. Dann es schon vieles, das nun ofFenbahr, das das ministerium sie beide geliebte Brüder heterodoxiae zubeschuldigen nicht getrauet, viel weniger etwas darvon überzeuget hat, deßen publicum testimonium nun vorhanden ist 2 : welches auch sie ins künfftige im zaum halten wird, das sie sich nicht io mehr werden also dörffen bezeugen, wie sie vor dem gethan: sondern ihnen einhält geschehen kan.

Dieses war unbequem, das die acta 3 herkamen, da eben die Hannoveri­sche herschafft 4 hie war, welche gegenwart wie den hoff mit allerley diver- tissements; also die ministros mit vielen conferenzien occupirt hat, daß nicht 15

13 war ] + (eben). 13 herkamen ] herkommen: D.

1 Vgl. Franckes Äußerungen zur Untersuchungskonimission in seinem Brief vom 10.12.1692 (s. Brief Nr. 60, Z. 36). Zur Zusammensetzung der Kommission s. Brief Nr. 58, Anm. 2.

2 Vgl. die Endfassung des Rezesses (s. Brief Nr. 58, Anm. 22).

3 Protokoll der Untersuchungskommission mit Beilagen (s. Brief Nr. 58, Anm. 2).

4 Ernst August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg (20.11.1629-23.1.1698), geb. in Herz­berg; seit 1662 Bischof von Osnabrück, residierte seit 1679 in Hannover (ADB 6, 261-263; Zedier 4, 1164 u. 8, 1726-1728; Schwennicke NF 1/1, 25; Personalia oder Christlicher Lebens=Lauff des Herrn Ernst Augusten Herzogen zu Braunschweig und Lüneburg [...], Wol­fenbüttel 1698). Ernst August, der enge Beziehungen zum Kaiser und zur Brandenburger Regierung schon seit der Regierungszeit Friedrich Wilhelms unterhielt, war am 9./19.12.1692 in Wien mit der Kurfurstenwürde belehnt worden.