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Nr. 61 Ph.J. Später an AM. Francke 13. 12. 1692

sobald die confirmationes u. resolutiones folgen konten. Mit dieser post solle zwahr die vor[ige] resolution expedirt werden 5 , es war aber noch heut zwei- ffel, ob mans würde zur underschrifft bringen könen. Herrn Nicolai 6 wird bereits ein verweiß werden wegen seiner privat intimation. 7 Die Verordnung

20 wegen der beichtkinder, die sich vorhin anmelden sollen 8 , ist auch ein gutes werck davor man Gott zu dancken, wie nicht weniger die haußbetstunde 9 . Ob dann einige puncten noch überblieben, so wollen wie uns seiter an dem erhaltenen begnügen. Wegen Herrn M. Rothen 10 konten die Commissarii nichts weiter thun, weil seine sistirung zu Leipzig abgeschlagen worden 11 :

25 Nun muß man hier darüber deliberiren, was gegen ihn vor zunehmen. Also wegen Drachstetts 12 haben die Commissarii referiret, das er nichts geständig sein wollen, gegen ihn aber auch keine solche gnugsame indicia vorhanden geweßt, das man ihm mehr anzukommen vermocht hätte. 13 Von den auff- gefangenen brieffen haben gar nichts in actis gesehen, das also nichts darvon

30 vorgekommen sein muß. 14 Im übrigen sorge ich selbs, die prediger guten theils, weil ihnen die composition oder vielmehr ihre personen selbs nicht an­genehm, werden nicht weiter ruhe halten, als die forcht sie zurücke helt: Wo sie es aber zu grob machen, so hoffe, das an einsehn nicht mangle werde. Die übersandte relation 15 , so ich nach genommener abschrifft wider über-

35 sende, aber bitte mit communication vorsichtig zu sein, dann es nicht eine speise vor alle leute ist, macht mir auch viel bedencken: Ob ich nun noch das ©etov ohne übrige scrupul nicht erkennen kan, seye es doch fern, das übel darvon sentirte, damit man sich eher alß mit guten gedancken darvon versündigen kan. Der Herr breche endlich mit soviel liecht durch, das auffs

37 /nicht/.

3 Gemeint ist wohl der Entwurf der im Ergebnis der Untersuchungen der Kommission ver­faßten Abkündigung von den Kanzeln, der der Regierung mit den Kommissionsakten zugesandt worden war (AFSt/H D 92: 356-361 [Lit. P]). Das Papier wurde als Beilage zu dem vom 12.12. datierenden Antwortschreiben des Kurfürsten auf die Einsendung der Kommissionsakten an Veit Ludwig von Seckendorf (s. Brief Nr. 1, Anm. 4) und Gottfried von Jena (s. Brief Nr. 16, Anm. 11) mit der Bitte um Überarbeitung und anschließende Verlesung von den Kanzeln durch alle Pfarrer nach Halle zurückgesandt (vgl. Brief Friedrichs III. an von Jena und von Seckendorf vom 12.12.1692 in D 81: 298-300).

6 Christian Nicolai (s. Brief Nr. 34, Anm. 3).

7 Nicolai hatte bereitspropria authoritate" den Rezess vom 27.11. (s. Anm. 2) von der Kanzel verlesen, weshalb er durch von Jena und von Seckendorf im Namen des Kurfürsten ernst­lich verwiesen werden sollte (vgl. Brief Friedrichs III. vom 12.12.1692 [s. Anm. 5], 300).

8 S. Brief Nr. 60, Z. 8-20.

9 S. Brief Nr. 60, Z. 20-27.

111 Albrecht Christian Rotth (s. Brief Nr. 36, Anm. 12).

" Zum Stand der Auseinandersetzung mit Rotth s. Brief Nr. 60, Anm. 4.

12 Johann August Drachstedt (s. Brief Nr. 50, Anm. 28).

13 Zum Verhör Drachstedts s. Brief Nr. 60, Anm. 5.

14 Zum Problem aufgefangener Briefe s. Brief Nr. 60, Anm. 6.

15 S. Brief Nr. 60, Z. 30-35 und Anm. 19.