Nr. 63 Ph.J. Spam an AM. Francke 17.12. 1692

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Er hat sich endlich erklähret, das concept nach Halle mit zunehmen, und mit Herrn von SeckendorfF u. geliebten Bruder selbs darauß zu communiciren 1 ", um dero meinung zu vernehmen. Heut aber wird mir von einem vornehmen 20 Herrn per schedulam notificirt, das die translocation nicht anders beliebet worden, alß wo Herr von SeckendorfF u. derselbe darmit friedlich, wie man sie dann vielmehr vor ein beneficium als straffe hielte, und auch so geachtet werden solte. Ich bitte also geliebter Bruder überlege die sache vor Gottes angesicht hertzlich, wohin er deßen fmger gehen sehet. Noch inclinirte ich 25 auff die universitet, u. verharren in gegenwartiger stelle. In dem ich Herrn D. Breithaupten 12 einen parastatam und den so studiosis als andern Christ­lichen hertzen eine fernere bekräfftigung in dem guten anfang gönne. Solte aber derselbe darvor halten, das derselbe anfang schon gnug grund habe, und er an dem andern ort bey der weitläufftigen inspection zu Gottes ehren mehr 30 außzurichten getraute, will mich alßdann dem jenigen nicht widersetzen, was er des Herrn willen erkennet. Er gebe ihn nur mit wahrer Versicherung zuerkennen, so genüget uns billich. In deßen treue obhut, segen u. regirung erlaßende verbleibe schließlich

Meines wehrten Bruders u. Herrn zu gebet u. liebe ergebner 35

Phfilipp] J[acob] Spener, D. Mppria

Berlin den 17. Xbr. 1692.

Herrn Herrn M. August Hermann Francken. ProfTessori] Graecae und Orient[alium] Linguarum auch pastori zu Glauche vor Halle.

Halle. 13 40

20 /um/.

10 Möglicherweise reiste von Kraut schon mit der am folgenden Tag (Sonntag, 18.12.) ab­fahrenden Post nach Halle, denn zu dessen Unterredung mit Francke kam es am 20.12. abends um 7 Uhr (s. Brief Nr. 64, Z. 49ff). Das Gespräch mit von Seckendorf fand nicht mehr statt, da dieser am 18.12. starb (s. Anm. 13).

1 ' Nicht ermittelt.

12 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

13 Francke fügte, offenbar als Notizen für seinen Brief vom 20.12., den er als Antwort auf den vorliegenden Brief Speners verfaßte, zwei Bemerkungen hinzu:1. Herr Seckend[orfJ tod u. ohnvermuthet niemand von geystl[ichen] gehört (?). 2. Bey Herrn Strieken." Von Seckendorf starb am Sonntag, 18.12.1692, morgens um 7 Uhr (vgl. Brief Nr. 64, Z. 3043), wovon Spener erst am 22.12. erfuhr (s. Brief Nr. 66, Z. 3£f). Francke teilte Spener in seinem Brief vom 20.12. mit, daß mit von Seckendorfs Tod niemand gerechnet hatte, so daß in der Stunde des Todes kein Geistlicher bei ihm gewesen sei; auch berichtete er, daß Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21) am 19.12. alle Professoren zusammengerufen hatte, um die Modalitäten des Begräbnisses zu be­sprechen (s. Brief Nr. 64, Z. 33-36 u. 42f und Anm. 16).