Nr. 69 A.H. Framke an Ph.J. Spener 31. 12. 1692

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daß ichs annehmen solte. 7 Weil ich aber Gott vertraue, der allen Menschen das hertze lencket 8 , habe ich wieder mein ¥ nichts zusagen können. Habe auch meines abschlagens wegen nicht den geringsten scrupel. Daß mich Gott lange hieselbst bey meiner Gemeine lassen werde, habe ich selbst schon eine 20 geraume zeithero nicht geglaubet. Aber ich muß des weges gewiß seyn, daß er von Gott ist. Welcher gnädigen Führung mich der Herr biß dahero ge­würdiget. Daß mich der Obern wille wieder meine erkentniß des göttlichen willens u. also wieder willen an einen Ort senden könne, sehe ich nicht. Gott wird mich für solche anfechtung auch wol bewahren. 25

Den Herrn Zieritzen 9 , der mir succediren soll, kenne ich, hat den be­sten vigorem aetatis verlohren, daß ich nicht für geschickt achte, ein solch schweres amt zu führen welches auch Herrn Kr[aut] vorgestellet, der auch selbst bekant, er habe gesorgt, er könne des Tages nicht zweymahl predigen. Ich glaube der Mann würde es nicht lange treiben. Meiner gemeine aber wäre 30 übel gerathen. Ich habe Herrn Kr[aut] wenn ich ja dereins von hier mutiren solte, furgeschlagen Herrn Töllnern von Panitsch 10 , von welchem ich mich versichert halten kan, das er über das gute, so der Herr verliehen, treulich halten werde. Ich habe ihm auch bey Gelegenheit Herrn M. Großgebauern 11 bey der universitet vorgeschlagen p. 35

Von des Pastoris Wurtzlers Tode weiß ich noch gar nichts, u. also auch nicht, was dabey fürgegangen. 12 Daß sonst vor Herrn Roxners 13 Tode etwas sonderlich vorgegangen mit der Fr. Hoffrjathin] Schreiberin ist mir wiewol nicht secundum omnia specialia bekant. Die Anna Marie ist noch hier 15 , ohne

18 V ] Hertz: D. 35 p. ] -D.

' Zu den Besuchen des Syndicus Rechenbach (?) von Calbe bei Francke schon im August und am 11.12.1692 s. Briefe Nr. 44, Anm. 14 und Nr. 62, Z. 22-31 und Anm. 15.

8 Ps 33,15.

9 [Bernhard Friedrich (?)] Zieritz (s. Brief Nr. 64, Anm. 9).

10 Justinus Toellner (s. Brief Nr. 36, Anm. 17).

11 Wohl Johann Valentin Großgebauer (1655-6.1.1721), geb. in Rostock als Sohn Theophil Großgebauers; 1672 Studium in Wittenberg, 1675 in Rostock und Kiel (1677 Magister), Studien bei Edzard in Hamburg, danach in Leipzig, Erfurt und Jena; einjähriger Aufenthalt bei Spener in Dresden; 1692 Disputation in Prag; Lesen von Collegien in Rostock, 1694 Rektor der Schule in Ottendorf/Hadeln (DBA 427, 248-251; Jöcher EB 2, 1628; Rotermund 2, 1823).

12 Zu Johann Christoph Wurtzlers (s. Brief Nr. 67, Anm. 8) Tod vgl. Brief Nr. 67, Z. 20-22 und Anm. 9.

13 Wohl Heinrich Rixner (8.6.1634-16.12.1692), geb. in Helmstedt; Studium in Jena und Helmstedt (Magister in Jena), 1661 ao. Prof. der Metaphysik in Helmstedt, 1663 o. Prof. der Metaphysik und Physik, 1673 Dr. und Prof. theol.; 1679 Pastor primarius in Halberstadt, 1683 Kirchenrat und Generalsuperintendent in Halberstadt (DBA 1044, 72-75; ADB 28, 714-715; Jöcher 3, 2130-2131; Stolberg Nr. 18929; Ausführliche Beschreibung [s. Brief Nr. 81, Anm. 17], 143).

14 Lucia Amalia Elisabeth Schreiber (s. Brief Nr. 12, Anm. 4). - Nähere Umstände von Rixners Tod wurden nicht ermittelt.

15 Anna Maria Schuchart (s. Brief Nr. 22, Anm. 15) hielt sich offenbar schon längere Zeit