Nr. 74 A.H. Francke an Ph.J. Später 4.2.1693 275

74. A.H. Francke an Ph.J. Spener

Glaucha, 04. Februar 1693

Inhalt

Hofft, obwohl die Regierung seine Betstunden schon verboten hat, noch auf die Möglichkeit der Verlegung in die Kirche. Hat gute Nachrichten von Philipp Reinhard, schlechte von Christian Maximilian Spener.

Überlieferung

A: AFSt/H D 66: 178

D: Kramer, Beiträge, 286-287

Theurester Vater in Christo!

Mein jüngstes wird verhoffentlich wol zu handen kommen seyn. 1 Seit der Zeit hat nun Herr D. Olearius mich persönlich für der regirung meiner betstunde halber angeklaget 2 , und ist auch in der Regirung schon decretiret gewesen mir selbe zu verbieten 3 , haben solches mit dem Consistorio communiciret, 5 was nun heraus kommen werde, muß ich erwarten. Ich habe inzwischen ein memoria! eingegeben, daß man mich zuvor mit meiner NothdurfFt hören, und nicht zugeben möchte, daß die Churfürstliche Commission auff einigerley weise geschwächet würde 4 , als wieder welche ich nicht gehandelt. 3 Es ist ja wol noch einige hoffnung übrig, daß es aus dem hause in die öfFent- 10 liehe kirche möchte verleget werden, 6 welches mir auch selbst lieber, und verhoffentlich eine thür zu größerer Erbauung were. Der Herr mache was er wil, dienen wir doch nicht uns sondern Ihm. Inzwischen dancke ich Ihm für den Seegen, den er bißher so reichlich zu den betstunden gegeben, welchen die weit nicht rauben kan. 15

Ich bitte mir guten Rath in der Sache mitzutheilen, sonderlich wenn man mir hier weder privatim noch publice mit dem volk zu beten gestatten wolte, ob ich wol zu Berlin mit einem memorial einkommen solle. 7 Ich hoffe aber Gott selbst wird alles fein zu seinem lob ausführen. 8

1 Wohl Franckes Brief vom 26.01.1693 (Brief Nr. 73).

2 Ein entsprechendes Schreiben von Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3) ist nicht überliefert.

3 Nicht nachweisbar.

4 Daß man nicht hinter den Rezeß als Ergebnis der Untersuchungskommission (s. Brief Nr. 58, Anm. 22) zurückfallen dürfe.

5 Ein entsprechendes Memorial Franckes ist nicht überliefert.

6 Tatsächlich kam es zu dieser Regelung durch das Konsistorium (vgl. Brief Nr. 77).

7 Zu Speners Antwort s. Brief Nr. 76, Z. 315.

8 Vgl.Jes 28,29.