Nr. 75 Ph.J. Später an A.H. Francke 4.2.1693

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(wie ich höre, Poirets 15 ) so auß den Frantzös[ischen] übersetzt Herr Horb 16 hat trucken laßen 17 , und zum N[euen] Jahr kindern u. gesinde außgetheilet: solches hat Herr D. Meyer 18 pro concione alß ein quäckerisch büchlein refu- tirt, und trucken laßen 19 , da er mich auch indigne tractiret 20 . Nun der Herr leßt den Simei noch schelten. 21 Ach das er nicht ein hartes schelten über sich selbs heuffete! Mich deucht, ich habe vor einem jähr bey gel[liebtem] bruder solches tractätlein auch Frantzösisch 22 gesehen. 23 Hiemit göttlicher treue und obhut hertzlich erlaßende verbleibe

Anhang zu anderen Veröffentlichungen erschienen und ins Deutsche, Holländische, Englische und Lateinische übersetzt worden (vgl. Anni. 15).

15 pi erre Poiret (15.4.1646-21.5.1719), geb. in Metz, einflußreicher mystischer Theologe; 1670 reformierter Prediger in Otterberg, Frankental und Mannheim, 1672 Pfarrer in Auweiler im Herzogtum Zweibrücken; 1676 als Begleiter der Antoinette von Bourignon (16161680), deren Schriften er veröffentlichte, in Hamburg und 1677 in Lütetsburg in Ostfriesland; 1680 Am­sterdam, 1688 Rheinsburg bei Leiden, wo er bis zu seinem Tod zahlreiche Schriften mystischen Inhalts verfaßte (DBA 969, 105-118; ADB 26, 375; Jöcher 3, 1649-1651; RGG 4 6, 1437f; Hirsching 8/1, 1806; M. Wieser, Peter Poiret, München 1932; G.A. Krieg, Der mystische Kreis. Wesen und Werden der Theologie Pierre Poirets, AGP 17, Göttingen 1978; Gierl, HOfF. 451ff u.ö.). Zu Poirets Hauptwerken, die zumeist ins Lateinische, Deutsche, Hollandische und Eng­lische übersetzt wurden, gehört L'economie divine, Amsterdam 1687.

"' Johann Heinrich Horb (s. Brief Nr. 7, Anm. 6).

17 [P. Poiret], Die Klugheit der Gerechten/ die Kinder nach den wahren Gruenden des Chri­stenthums/ von der Welt zum Herrn zu erziehen Vorgestellet in einem Sendschreiben an eine Stands=Persohn (so zitiert bei J.F. Mayer, [...] Warnung an die werthe Stadt Hamburg, s. Anm., 7). Das Buch konnte in der ursprünglichen Ausgabe der Übersetzung nicht ermittelt werden. Vgl. aber Acta Hamburgensia, P. 1, Die Klugheit der Gerechten, die Kinder nach den wahren Gründen des Christenthums von der Welt zum Herrn zu erziehen: sambt denen darüber gewechselten Streit- SchrifFten, und E.E. Hochweisen Rahts der Stadt Hamburg protocoll-mässigen Bericht, auch was sonsten occasione der Horbischen Sache fürgefallen [...], Hamburg 1693 (zu der von Francke 1704 veranstalteten Übersetzung s. Francke-Bibliographie Nr. H 3.1). - Horbs Übersetzung wurde zum Ausgangspunkt heftiger Kontroversen, die sich in 11 Streitensembles vollzogen und über mehrere Jahre erstreckten; Horb mußte im Ergebnis der aus der Veröffentlichung resultierenden Ausein­andersetzungen mit Johann Friedrich Mayer (s. Anm. 18) im November 1693 wegen des Vorwurfs der Schwärmerei Hamburg verlassen (Brecht, Spener, 348-350; Gierl, HOff. 45111).

18 Johann Friedrich Mayer (s. Brief Nr. 17, Anm. 35).

19 Johann Friedrich Mayers/ D. in Eyl zwar abgefaste aber in GOttes Wort fest gegruendete WARNUNG An die werthe Stadt HAMBURG/ Absonderlich seinen. Lieben Gemeine zu St. Jacobi, fuer den Ketzerischen verfuehrerischen Buechlein genennet Die Klugheit der Gerechten/ die Kinden nach den wahren Gruenden des Christenthums zu erziehen. So itzo in Hamburg auß- gestreuet und verschencket wird/ Sich wohl fuehrzusehen. Hamburg 1693. - Die Schrift liegt in einer 24- und einer 30seitigen Ausgabe gleichen Inhalts vor und datiert vom 27.1.1693.

20 Mayer bezeichnet Speners Schriften alsnichtswuerdiges und sehr unbedachtsames Ge­schmiere" (5); Spener wolle sich darinmit Unwissenheit/ Sophistischen Verdrehungen/ nichts- wuerdigen Antworten/ Personal Schmaehungen" retten (4). Zudem sehe er schweigend zu, wie seine Anhänger, dieSpenerischen Kreaturen" (3), Schmach- und Schandschriften ver­öffentlichten, als obman treue Lehrer und Geistliche Vater fuer ihrer Gemeine stinckend/ und seinen nehesten fuer der ehrbaren Welt unverschuldet ehrloß machen wolte" (3f; zitiert nach der 24seitigen Ausgabe, s. Anm. 19).

21 2Sam 16,5.12: Simei, der Sohn Geras, verflucht David (vgl. lKön 2,8f).

22 S. Anm. 14.

23 Da bekannt ist, daß Spener Francke in Glaucha nicht besucht hat, kann er die französische