284 Nr. 77 A.H. Francke an Ph.J. Spener 17.2.1693

77. A.H. Francke an Ph.J. Spener

Glaucha, 17. Februar 1693

Inhalt

Das Konsistorium hat der Verlegung seiner Betstunde in die Kirche zugestimmt. Erläutert Vor­teile dieser Regelung. Will mit [Georg Karl] Müller in Merseburg Mißverständnisse wegen Christian Maximilian Spener klären.

Uberlieferung

A: AFSt/H D 66: 179-180 D: Kramer, Beiträge, 289-291

Immanuel!

In demselben theurester Vater,

Es gehet nun Gott lob! wie Gen. 26, 22. stehet: Isaac grub einen andern brunn da zanckten sie sich nicht über, darum hieß er ihn Rehoboth, und sprach: Nun hat uns der Herr Raum gemacht, und uns wachsen lassen im Lande. 1 Denn am 16. dieses bin ich im Consistorio nach ergangener citation erschienen 2 , da man gleich mit guten argumentis mich persuadiret, daß ich meine haußbetstunde hinfuro in der Kirche halten mögte, damit auch Herr D. Olearius 3 , der doch nomine ministerii agiret hat, wol zufrieden war. Ich bin nun darinnen gewichen, also daß nach ausdrücklich genommener abrede, ich noch diese woche meine betstunden im hause continuire, und mit der frischen woche (nemlich morgen 4 ) in der kirche den anfang machen werde. Der Finger Gottes hat sich gar augenscheinlich in der Sache erwiesen. Ich habe nun davon diesen vortheil 1. daß ich räum kriege für das volck, dazu würcklich meine wohnung zu enge gewesen, da doch einmahl 2 Vi hundert personen gezehlet worden. Da denn die enge des Orts leichtlich allerhand hinderungen an dem rechten zweck der betstunden verursachet. Welcher hin- derungen ich nun mit eins entladen werde und so gar auch alles Scheins der Unordnung. 2. Befreyet mich auch Gott von dem Ungemach, Unsauberkeit, Gestanck pp. welches die Menge der Leute, wie leicht zu gedencken, täglich bey mir verursachet [.] 3. Da bißhero noch viele zum theil rechtmäßige, zum theil fleischliche Ursachen gehabt, sich meiner haußbetstunden zu enthalten,

' ITQrn die Breite/ Weite des Brunnens: Ätiologie für Wädi Ruhebe, südwestlich von Beerseba (W. Gesenius, Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, bearb. v. F. Buhl, Berlin [u.a.] 1962 [Ndr. der Aufl. 17 1915], 754). Francke hatte auf diese Bibel­stelle schon in seinem Brief vom 26.1. angespielt (s. Brief Nr. 73, Z. 38f).

2 Das Zitationsschreiben oder ein Protokoll der Unterredung wurden nicht ermittelt.

3 Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3).

4 Sonntag, 18.2.1693.