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Nr. 77 A.H. Francke an Ph.J. Später 17.2. 1693

Sontag und dessen arbeit praepariret, kann nun solches auch mit sonderem Nutzen geschehen, daß alles was folgenden tages tractiret wird per praegustum aliquem den leuten angenehm gemachet wird. 8. Weil sonsten die gemeinen leute entweder die bibel nicht haben, oder nicht lesen, und daher vieles so in den predigten als bekant angeführet wird, von ihnen nicht verstanden wird, ist es nun eine bequeme gelegenheit, daß öffentlich täglich in den betstunden zwey Capitel gelesen, und auffs kürzeste zum nutzen appliciret werden. Jetzo versire noch in den Psalmen und bin kommen biß auff den 87., welcher in den haußbetstunden also der letzte gewesen. Der Herr laße ihn im Seegen er­füllet werden. 9. In dem ich bißhero sonderlichen Seegen unter den studiosis daher gespüret, daß man sie in täglicher auffsicht hat, wird mir nun dieser vortheil bey vielen andern damit auch in die hände gegeben. 10. Sehe ich in solcher täglichen Versammlung und dazu gethanen paraenesi und lobe Gottes so wol meliorem repraesentationem primitivae Ecclesiae, als eine zu diesen gefährlichen zeiten höchst nöthige Gemeine Verbindung im Gebet.

So nun bey diesen puncten allen mir noch etwas nöthig und nützlich zu erinnern vom Herrn gegeben wird, bitte mir solches mitzutheilen. Man hat diese clausul im Consistorio hinangehenget: biß zu weiterer Verordnung S[einer] Churfürstlichen Durchlaucht 8 . Damit es nun nicht so leicht platz finde, wenn es odiose vorgetragen würde, möchte es wol gut seyn, wenn die rechten Umstände könten kund gemachet werden. Der Gott aber, der es angefangen hat, wird es auch wol wissen hinaus zu führen. 9

Was wegen des lieben Maximilians erinnert worden 1 ", daß der Herr Mül­ler' 1 , so er etwas ungebührliches von ihm wüste, sofort immediate Herrn L. Saltzfmann] 12 freundlich warnen mögte, soll von mir an den Herrn M[üller] geziemender maßen gesuchet werden. Der liebe Mensch hat sich sonst ge- dancken gemacht, ob er auch alzu kühn gehandelt, daß er so frey an meinen theuresten Vater geschrieben, ich vermeyne ihm aber solche gedancken gnug- sam durch einen guten Freund 13 benommen zu haben[.]

Ich erlaße hiemit der Gnade Gottes, und verharre

Meines theuresten Vaters Gehorsamster

M. Augustus Hermfannus] Francke

Glauche den 17. Feb. 1693.

51 gegeben ] + (wird). 59 es + möchte [irrtümlicher Beginn einer Satzkonstruktion, die mit würde" anders endet]. 59 würde ] werden: D.

8 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11). 5 Vgl.Jes 28,29b; Phil 1,6.

10 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8). Vgl. Speners Brief vom 11.2.1693 (Brief Nr. 76, Z. 16-33).

11 [Georg Karl (?)] Müller (s. Brief Nr. 53, Anm. 20).

12 Johann Jakob Saltzmann (s. Brief Nr. 49, Anm. 30).

13 Nicht ermittelt.