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Nr. 78 Ph.J. Spater an A.H. Francke 18.2. 1693
er sich verstoßen habe, so aber die art nicht ist derer die auß Gottes eingeben schreiben. Daher halte ich, das diejenige nicht recht thun, die bald von an- fang und nachmal immer widerum ihm gesagt u. zeigen, wo er anstoßet, dahero er so offt ändert. Da mißbillige ich nicht an sich selbs, das man ihm
2o die fehler weise, aber ich hätte davor gehalten, sie solten ihn eben darmit convinciren, weil er erst von ihnen solche anweisung bedürffe, das es mit der eingebildeten offenbahrung nichts seye, so würde er eher zu recht u. seiner selbs erkentnus gebracht. Ich habe von einem christlichen mann, der ihn wol kennet, u. mit ihm umgegangen, auch wol in causa revelationis leiden muß'',
25 u. mir also gewiß nicht lieget, das er anfangs noch viel unverantwortlicher u. verächtlicher von der schrifft geredet, biß ihm endlich gezeiget worden, das er auch einiges auß derselben vor sich anziehen könte. Einmal ich lege die sach hin u. her, so finde nichts göttliches, auch nicht das geringste argumentum deßen, alß sein einiges sagen. Das aber hoffentlich nicht wird vor gnug ge-
30 achtet werden. Ich sorge sehr, wo man an dieser ofFenbahr ungegründeten offenbahrung fest halten wird, so wird vollends auch der wenig übrige credit der übrigen außerordenlichen 7 fallen: welche zu retten vielmehr dienlich ist, den verstoß dieses Mannes zu erkennen. Der Herr gebe aber selbs seinen willen uns deutlich gnug einzusehen.
35 In Hamburg ist noch ein grausamer lermen, theils wegen einer magd, so Herrn P. Horbium 8 beschuldigt, sie verführt, und in eine quackergeselschafft gebracht zu haben, dero außsagen gar getruckt sind 9 , theils wegen des büch- leins de educatione liberorum 10 , so er außgetheilt 11 , und darinnen haereses
19 /er/. 23 ihn ( ihm.
6 Nicht ermittelt.
7 Göttliche Offenbarungen zu haben, beanspruchten seit dem Beginn der 90er Jahre vor allem Rosamunde Juliane von der Asseburg (s. Brief Nr. 15, Anm. 17), Magdalena Elrichs (s. Brief Nr. 16, Anm. 47), Anna Eva Jakobs (s. Brief Nr. 55, Anm. 21), Anna Margaretha Jahn (s. Brief Nr. 22, Anm. 18), Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33), Catharina Reinecke (s. Brief Nr. 15, Anm. 10), Anna Maria Schuchart (s. Brief Nr. 22, Anm. 15) und Adelheid Sybille Schwarz (s. Brief Nr. 55, Anm. 16).
8 Johann Heinrich Horb (s. Brief Nr. 7, Anm. 6).
9 Am 4.2.1693 hatte eine Dienstmagd ihrem Beichtvater „einige Sachen/ von heimlichen Zusammenkuenfften/ so an einem Ort in der Neustadt/ bey der alten Michaelis Kirchen gehalten wuerden", bekannt (S. Verimundus, Das Vollstaendige und Ausfuehrliche Hamburgische DIARIUM Worin gruendlich und ohne passion erzaehlet wird/ was fuernehmlich wegen des so gen- andten Buchs/ die Klugheit der Gerechten [...]/ [...] So Mag. Horbius, Pastor zu St. Nicolai in Hamburg zum Druck befodert/ fuer Streitigkeit vorgefallen, o.O. 1694, 3). — Die Magd hatte ihre Kenntnisse über die „Quaeker Zusammenkunfft" am 15.2. aber bereits widerrufen (Verimundus, Diarium, 5). — Ein eigener Druck der Aussagen der Magd konnte nicht ermittelt werden.
1,1 [P. Poiret], Die Klugheit der Gerechten (s. Brief Nr. 75, Anm. 17).
" Horb hatte die Ubersetzung von P. Poiret, Les principes solides de la Religion (s. Brief Nr. 75, Anm. 14) am Neujahrstag an seine Gemeindeglieder verteilt (s. Brief Nr. 75, Z. 35- 38).