Nr. 78 Ph.J. Spawr an A.H. Framkc 18.2. 1693
289
wollen bemercket werden 12 , das auch das ministerium begehrt ihn ab officio zu suspendiren 13 : theils so erst diese woche vorgegangen, daß ein pack von 40 Herrn D. Petersen 14 daselbs auffgefangen, u. dem magistrat geliffert worden, darinen seine defension 15 contra L. Wolffium] 16 und mehrere schreiben von ihm u. Frau Schwartzin 17 an underschiedliche leute 18 , es waren pacquet an die liebe g emeinde zu Hambur g, an die liebe g emeinde zu Stade p. Nun will darauß erwiesen werden, das was man bißher geleugnet gleichwol wahr 45 seye, und gantze besondere gemeinden gemachet worden: die Obrigkeit ap- prehendiret die sache sehr, und werden wol traurige folgen darauß entstehen. Der Herr sehe selbs drein. 19 In diesem stand ist nun nicht sicher einige brieffe oder Sachen nach Hamburg zusenden, denn aufF der post und bey fuhrleuten alles hinweg genommen wird, was an jemand stehet, der einigermaßen ver- 50 dächtig gehalten wird. Hingegen in Dreßden hat vorige woche Herr Knoch 20 sein präsidium Consistorii (und wie andere sagen auch in gewißer maß sein geh[eime] R[aths] stelle) resigniret: mein tractat von der hoffnung künfftiger zeit 21 ist confisciret 22 , und wird sehr dagegen getobet 23 . Also will alles loßbre- chen: der einige trost bleibt übrig, das alles noch in Gottes hand allein stehe. 55
12 Johann Friedrich Mayer hatte die Übersetzung Horbs bereits als quäckerisch widerlegt (J.F. Mayer, Warnung an die werte Stadt Hamburg [s. Brief Nr. 75, Anm. 19]).
13 Am 6.2.1693 hatte der Hamburger Ministerialkonvent beschlossen, Horb nicht mehr als Amtsbruder anzuerkennen, es sei denn, er widerrufe öffentlich seines Glaubens und seiner Lehre halber; am 9.2. lieferte das Ministerium beim Rat eine entsprechende Schrift ein (Ve- rimundus, Diarium [s. Anm. 9], 4 und Lit. A). — Vgl. auch: Des Hamburgischen Ministerii Memorial, Hrn. P. HORBIUM betreffend/ Und Dessen zum Druck befördertes Buechlein von der Kinder=Zucht/ sonst Die Klugheit der Gerechten genannt/ E. HochEdlen und Hochweisem Rath daselbst Den 10. Febr. 1693 uebergeben, lOf, sowie PROTOCOLL-Maessiger BERICHT/ Dessen Was zwischen E.E.Raht und dem Ehrwuerdigen MINSTERIO OCCASIONE der Horbischen Sache bißhero fuergefallen, Hamburg 1693, [2—5].
14 Johann Wilhelm Petersen (s. Anm. 7).
15 Freymuethige Anrede/ An (Tit.) Herrn Licentiat JOHANNEM JOACHIMVM VVOL- V1UM/ Predigern zu St. Ulrich und Levin in Magdeburg/ welcher Einen Laesterer Des Reiches Christi und offenbahren Pasquillanten unchristlicher Weise zuverthätigen sich unternommen hat/ In dem Angesicht der Christi. Kirchen vorgestellet Von Johanne VVilhelmo Petersen, der Heil. Schrifft Doctore, Magdeburg 1693.
16 Johann Joachim Wolf (s. Brief Nr. 61, Anm. 28), Abgenoehtigte kurtze Antwort [...] (s. Brief Nr. 61, Anm. 30).
17 Adelheid Sybille Schwarz (s. Anm. 7).
18 Die Briefe von Petersen und Schwarz wurden nicht ermittelt.
19 Vgl. lSam 24,16; Klg 3,50 u.ö.
20 Hans Ernst von Knoch (s. Brief Nr. 5, Anm. 35).
21 D. Philipp Jacob Speners Behauptung Der Hoffnung kuenfftiger Besserer Zeiten/ In Rettung Des insgemein gegen dieselbe unrecht angefuehrten Spruchs Luc. XIIX, v. 8. Doch wann des menschen Sohn kommen wird/ meynest du/ daß Er auch werde Glauben finden auf erden?, Frankfurt 1693.
22 Offensichtlich in Kursachsen.
23 Im Jahre 1693 erschienen als Gegenschriften: J. Simon, Ungrund der Hoffnung zukuenff- tiger besserer Zeiten/ In Rettung des Spruchs Luc. 18.8. und Beantwortung der vor sothane Hoffnung von Hn. D. Philipp Jacob Spenern/ etc. etc. unlaengst angefuehrten Schein=Gruende