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Nr. 79 Ph.J. Später an AM. Bremcke 11.4.1693

angedeutet wurde. Da man nun mich immer zurath darinnen [?] ziehen wolte,

in konte ich niemal recht antworten, weil mir die Sache niemal völlig u. wie sie war entdecket wurde, sondern ich solte auß den rätzeln rathen was die gute freunde meineten. Daher konte niemal anders alß auff generalia widerum generaliter antworten: endlich vor 5 oder 6 wochen greifft Gott nach seinem H. rath Herrn Care an leib u. gemüth hefftig an, also das er in höllenängsten

15 und vieler qual sich erbärmlich gewunden; aber dardurch so kräfftig gerühret worden, das er sein gantzes leben u. grund des hertzens erst recht unter­suchet u. erkant hat. In diesem zustand hat er nunmehr diese seine bekantnus geschrieben, u. an mich zusenden befohlen, nach dem er sie einen posttag noch auffzuhalten selbs begehret, aber nachmal fortgeschickt; dero innhalt,

20 so ich von seiner eigenen hand die bey mir ist, abschreiben laßen, nicht ohne bewegung gelesen werden mag . Er begehret, das nicht nur den hie be­nannten, sondern auch andern christlichen freunden darvon communication geschehen möchte 5 : ja hatte gar in willens, da er wider beßer würde, dieselbe öffentlich trucken zu laßen, wie ich nun dieses letztere allerdings nicht rath-

25 sam finde, als darauß anstatt der gehofften erbauung mehr ärgernus entstehen würde, da ihm hingegen ein ander mittel an hand zugeben getraue, das er seinen zweck, soviel derselbe zur erbauung gehet, erreiche, und doch solche ärgernus nicht darauß folgen werden, so wirds doch nicht undienlich sein, das in den meisten (denn was Wolters 6 anlangt, ists nicht rathsam) seinem willen

30 nachgelebt, u. seine bekantnus soviel jedem dienlich denselben hinterbracht werde. Von geliebtem Brüdern wünschte ich, das es Herrn Achilli 7 , der von seinem dogmate de perfectione gewußt, u. Herrn D. Petersen 8 , so dann ihres

14 Care ] Carl: D. 21 hie ] sie: D. 22 /auch/.

4 S. Anm. 1. Care spricht davon, daß er zunächst einenteufflischen begrieff von Christo" gehabt habe, indem er sich seiner Seligkeit sicher gewesen sei (AFSt/H D 41: 1276). Nun aber empfinde erunbeschreiblich den Zorn des gerechten Gottes" (1275), weshalb er auf Fürbitte hofft und sämtliche Angelegenheiten, deren er sich bewußt ist, in diesem offenen Brief zu klären sucht (s. Anm. 5).

5 Im Text werden einige Personen, denen das Schreiben zugesandt werden solle, weil Care mit ihnen etwas zu klären habe, namentlich genannt: Neben Spener, über den der Verfasser sich erhoben habe, betrifft dies Francke, dem er wegen Heinrich Westphals Tod (s. Z. 4547 und Anm. 11)heimlich gram gewesen" sei; Francke wie auch Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33) habe er den Tod gewünscht. Letzterem und Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12) habe er Bücher gestohlen, Spahn in Dresden wie auch [Gottlieb (?)] Kirch (s. Brief Nr. 38, Anm. 18) schulde er Geld. Rabe (s. Anm. 12) solle das Schreiben zur Ermahnung dienen und anderen Gläubigen, auch in Holland, solle man es offenbar zur Erbauung ebenfalls zusenden. Francke und Spener werden zudem mit der Klärung weiterer Angelegenheiten Cares in Berlin und Halle beauftragt. (AFSt/H D 41: 1277f, Zitat 1277).

6 Christian Theodor Wolters (s. Brief Nr. 16, Anm. 20) verbreitete seit dem Ende der 80er Jahre antinomistische Lehren, mit denen sich Spener in seiner Vorrede Zur Seligkeit der Kinder Gottes auseinandergesetzt hatte (s. Brief Nr. 37, Z. 25-40 und Anm. 20).

7 Andreas Achilles (s. Brief Nr. 8, Anm. 9).

8 Johann Wilhelm Petersen (s. Brief Nr. 17, Anm. 33).