Nr. 19 Ph.J. Spener an A.H. Francke Ii. 4.1693
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harte relation hieher gekommen 19 , die ich nicht weiß, was sie hier wircken werde, leicht aber betrübliche folgen nach sich ziehen möchte. Ach das der Herr uns doch nicht über vermögen wolle laßen versucht werden 20 , und in allem uns seinen h. willen erkennen laße, das wir doch an demselben weder auff eine noch andre seite irren: Er gebe also sonderlich geliebten Brüdern so wie in allem also auch diesem stück, die weißheit von oben 21 , und führe sie selbs nach seinem rath. Was mir Herr Köhler 22 von der Anna Maria Schu- chartin 23 erzehlet, macht mich nicht allein an derselben sondern auch an andern exempeln noch mehr irre. So ligt mir auch fast mehr alß alles andre an dem punet wegen der privatcommunion, als ein solcher, der wo er eclattirte 24 »5 den völligen und unheilbaren riß machen würde. Ob geliebter Bruder einen auffsatz, welchen von solcher materie an Herrn D. Breithaupt gemacht 25 ,
87 /an Herrn D. Breithaupt/.
Halle, 1693/94 Aufenthalt u.a. in Gotha und Quedlinburg, 1694 auf Empfehlung Breithaupts Studium in Gießen; 1695 Diakon in Braubach in Hessen-Darmstadt, 1697 Pfarrer in Schwarza in Thüringen, 1709 Oberpfarrer in Obermockstadt (Matrikel Halle, 278; Diehl, Hassia sacra 4, 381; Kramer, Beiträge, 295; Wotschke, Vom Pietismus in Thüringen, in: Beiträge zur Thüringischen Kirchengeschichte 1/2, 1930, 294-311, hier 299-302; Renkewitz, 20. 22. 29. 36fF; Blaufuss, 154f. 172-174; Brief Machenhauers an Francke, 10.8.1701, SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 5,2; s. auch Anm. 19).
19 Nachdem Hochmann (s. Anm. 17) am 7.2.1693 in Halle immatrikuliert worden war, hatte er einen Kreis von gleichgesinnten frommen Studenten und Bürgern um sich gesammelt, zu dem außer Machenhauer (s. Anm. 18), der zu diesem Zeitpunkt bei Breithaupt wohnte, z.B. Christian Sigismund Sultzberger (s. Briefe Nr. 16, Anm. 33 und Nr. 81, Anm. 8) gehörte. Um den 1.3.1693 geriet Hochmann in eine besondere geistliche Ekstase, die ihn u.a. zu stundenlangem lautem Gebet, Predigt auf der Straße und harter Kritik an der Geistlichkeit veranlaßte (s. Breithaupt an Spener, 11.3.1693 [AFSt/H D 66: 191-192]). Seit Anfang März war im Auftrag des Konsistoriums bereits eine Kommission damit beschäftigt, „eigentlich des Menschen Zustand zu untersuchen" (s. Breithaupt an Spener, 4.3.1693 [AFSt/H D 66: 189-190, Zitat 189']). In der Woche vom 19. bis 25.3. hatten Machenhauer und Hochmann nach gemeinsamem Gebet in ekstatischer Verzückung auf der Straße Bußrufe laut werden lassen, was einiges Aufsehen erregt hatte (s. Breithaupt an Spener, 25.3.1693 [AFSt/H D 88: 62-63]). - Am 4.4. berichtete Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21) an die Oberkuratoren der Universität über die Vorfälle (GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 159 N 7, 1693-1708, Bl. 703f [Extrakt]), am 8.4. folgte eine Eingabe der Stadtgeistlichen in der Sache an den Kurfürsten (GStA PK, aaO, Bl. 691 f; Archiv der Marktkirche A III, Tit. A6, No 6 [Controversiae Pietisticae vulgo dictae], S. 91-94 [Entwurf]): Darin wurde eine genaue Untersuchung und Abstellung der Vorgänge wie auch ein Befehl an Francke und Breithaupt, ihre Zuhörer öffentlich abzumahnen, verlangt (vgl. Renkewitz, 20—24).
20 IKor 10,13.
21 Vgl. Jak 3,15.17.
22 Vermutlich handelt es sich um den Studenten [Christian (?)] Köhler, von dem Francke am [23.2.1692 (?)] berichtet hatte, daß er wie auch andere Studenten „in einen sonderlichen zustand" gesetzt gewesen sei (s. Brief Nr. 21, Z. 21ff und Anm. 12; vgl. Kramer, Beiträge, 177 [Tagebucheintrag Franckes vom 16.2.1692]).
23 Anna Maria Schuchart (s. Brief Nr. 22, Anm. 15).
24 S. Brief Nr. 59, Anm. 24.
25 Vermutlich handelt es sich um einen löseitigen handschriftlichen Traktat ohne Angabe des Autors unter dem Titel: „Ob es recht und Christi Ordnung gemäß seye, wo an einem ort, da eine