294
Nr. 79 Ph.J. Später an AM. Fnmcke 11. 4. 1693
erkant, oder nicht rein behalten hätte, von demselben beweglich vermahnet würden, sich von solcher Wahrheit durch nichts abwenden zulaßen, ja immer fester drauff sich zugründen, alß auff welchem grund wir in allen anfechtun- gen bestehen können, und auch nichts anders als gleichmaßiges drauff bauen
60 sollen da hingegen was unrechtes oder untüchtiges drauff gebauet wird, in der anfechtung und dero ernstlichem feuer, wie wir hier sehen, mit großer gefahr u. schmertzen verbrennet. Wir haben auch vor diesen in der probe noch stehenden bruder inniglich zu bitten, weil es starck bey ihm anhält, u. Herr Zeiß' 4 schreibet, das man fast sorge, ers in die ferne auch an dem leib
65 nicht außstehen möchte können, 15 das ihn der gütigste Vater nicht nur bey dem widerum anglimmenden füncklin des glaubens erhalten, u. dasselbe zunehmen laßen, sondern ihn widerum an seel u. leib also stärcken wolle, das er seinen nahmen u. gerechtigkeit künfftig verkündige, und mehrere die auff diesen irrweg gerathen wären, in seiner gnade, wie ich von ihm zugeschehen
70 hoffe, wider zurecht bringe: darmit wir mit dancken sprechen und rühmen mögen, der Herr habe auch auß diesem bösen gutes gemacht 16 .
Nun dancke ich Gott, das mich derselbe einiger sorge in Pommern durch dieses mittel etwas erleichtert hat: wie wünschte aber auch, das die sorge wegen ihres lieben Hall auch gemindert würden, so widerum auffs neue
75 wegen Herrn Hohmanns 17 u. Machenhauers 1 H anwachsen, davon eine sehr
59f /und auch ... bauen sollen/. 60 /wird/. 65 /bey/ : (..?).
14 Philipp Christoph Zeise (um 1660-4.4.1737), geb. in Buchsweiler im Elsaß; 1686-1720 Pfarrer in Zirchow/Hinterpommern (Pfarrerbuch Pommern 2, 486). — Zeise vertrat perfektio- nistische Lehren und sammelte einen Kreis von Anhängern; gegen Angriffe von Samuel Schelwig (s. Brief Nr. 105, Anm. 9) in Danzig wurde er z.T. erfolgreich von Spener, den er bereits in Frankfurt persönlich kennengelernt hatte, und der Berliner Regierung in Schutz genommen (Spener, Dresdner Briefe 1, Brief Nr. 166, Anm. 24; Grünberg 1, 248; Wotschke, Pommern 1, 29-35; Heyden, Stargard, 64-66; Brecht, Spener, 362; AFSt/H D 52a-c [Akten von Zeises Verhör vor dem Konsistorium in Stargard, 1689/90]).
15 Nicht überliefert.
16 Vgl. Rom 3,8; 12,21.
17 Ernst Christoph Hochmann von Hochenau (1669/70—12.(?)1.1721), radikalpietistischer Wanderprediger; geb. in Lauenburg/Elbe, aufgewachsen in Nürnberg; Jurastudium 1687 in Altdorf, 1691 in Gießen, 1693 in Halle und 1694 in Erfurt, wo er auch Informator im Haus Georg Heinrich Brückners (s. Brief Nr. 7, Anm. 38) war; nach einem Bekehrungserlebnis in Halle Anfang März 1693 (s. Anm. 19) Leben in besonderem Berufungsbewußtsein, das zu Enthusiasmus und scharfer Kirchenkritik mit Enthaltung von Absolution und Abendmahl, zum Konflikt mit den Behörden, Gefängnis und Ausweisung aus Halle führte; 1694—1699 Aufenthalt u.a. im Umkreis Johann Wilhelm Petersens, Kontakt mit Gottfried Arnold (1665-1714), Johann Konrad Dippel (1672-1734) u.a. Radikalpietisten; ab 1700 als „Apostel des Separatismus" unterwegs, seit 1703/04 von der durch ihn gegründeten „Gemeinschaft der Christusgeweihten" in Schwarzenau aus (RGG 4 3, 1803; TRE 15, 421-423; Renkewitz; Leube, 243f; Dellsperger, 118. 126f. 172f; Schneider 1, 418-420; Schneider 2, 124-128; Temme, 50. 176f. 192f. 226-228. 261f u.ö.; AFSt/H D 57: 485-488 [Bericht von Hochmanns Tod].
18 Johann Christian Ernst Machenhauer (1670-5.9.1746), geb. in Ohrdruf, ca. 1690 Famulus bei Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36) in Erfurt; 1692 Studium der Theol. in