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Nr. 81 AM. Francke an Ph.J. Spater 16. 5. 1693

60 Wenn Herr Köhler 21 noch ausser condition ist, und ihm die weite des weges nicht verdrießet, könte er nach Lüneburg reisen, und sich daselbst zu Lüne bey Herrn Wiegers 22 angeben, und sich auff mich beruffen, als welcher 2 biß 3 studiosos von mir verlanget, da er denn verhoffentlich gar wilkommen seyn wird.

65 Von der Freulein Rücksleben 23 berichte, daß sie von ihren Ekern unter einem falschen vorwand plötzlich heimgefordert worden, und da sehr ver­wahret wird, daß man k[aum] einen brieff zu sie bekommen kann, darff auch nicht zur Freulein von Wurm 24 kommen, welche sonst da in de[r] nähe ist, ein sehr theures wehrtes Freulein, welche Gott sonderlich heraußgerißen.

70 Einlage an Herrn M. Wartenberg 25 bitte ihm ohnschwer zuzusenden. 26 Die andere einlage gehört an seine Bedientin, welche meinem theuresten Vater bestens wil recommendiret haben. 27 Sie hat sich von anfang sehr wohl in ihrem christenthum bewiesen, und halte sie für eine von meinen liebsten Kindern im Herrn.

75 Die Pröbstin von Quedlinbfurg] eine Fürstin von Schleßwig Holstein hat nun zweymahl sehr hertzlich an mich geschrieben 28 , ist auch gesonnen bald mich hier zu besuchen. Ich hoffe wir werden den Namen des Herrn über Sie hoch preisen.

63 gar ( gern. 67 k[aum]: cj (Papierausriß). 68 de[r]: cj.

21 [Christian (?)] Köhler (s. Briefe Nr. 21, Anm. 12 und Nr. 80, Anm. 16).

22 Vermutlich handelt es sich um David Johann Wiegers (um 16461728), geb. in Bispingen, 16801726 Pfarrer in Isenhagen bei Lüneburg (Pfarrerbuch Hannover 1, 567).

23 Zu von Rücksleben s. Brief Nr. 80, Anm. 8.

24 Anna Magdalena von Wurm (19.11.1670-19.3.1734) aus Klein Furra bei Nordhausen; lebte ab Februar 1694 im Hause von Stammer (s. Brief Nr. 14, Anm. 6f) in Quedlinburg; 4.6.1694 nach zweijährigem Briefkontakt Eheschließung mit August Hermann Francke durch Johann Heinrich Sprögel (s. Brief Nr. 8, Anm. 10) in Rammelburg (Kramer 1, 129-137; Schulz, 105-107; Witt, 48; vgl. Brief Nr. 92, Z. 2-39).

25 Ernst Christian Wartenberg (30.10.1665-26.11.1742), geb. in Leipzig; 1678 Studium in Leipzig (1687 Magister), 1690 Subrektor am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, 1694 amtsenthoben wegen Unfähigkeit und später schwedischer Feldprediger; 1699 Pfarrer in Hohen- zaden bei Stettin (DBA 1333, 258; Jöcher 4, 1820f; Matrikel Leipzig, 482; Pfarrerbuch Pommern 1, 183; vgl. Brief Nr. 93, Z. 68-102).

26 Die Einlage wurde nicht ermittelt. Aus der überlieferten Antwort Wartenbergs vom 20.5.1693 (AFSt/H C 297: 3) geht hervor, daß Francke in seinem Brief die Entlohnung der von Francke vermittelten Hausangestellten (s. Anm. 27) thematisiert hatte.

27 Anna Magdalena Schilling, die durch Franckes Vermittlung seit Anfang April 1693 bei Wartenberg als Bedienstete tätig war und 1694 dessen Ehefrau wurde; da Wartenberg betont, daß ihre Frömmigkeit durch Franckes Wirken in Erfurt beeinflußt sei, könnte es sich um eine Schwester (?) von Johann Andreas Schilling (s. Brief Nr. 10, Anm. 27) aus Pößneck handeln (vgl. die Briefe Wartenbergs an Francke vom 1.3., 14.5., 20.5., 16.6. und 14.9.1693 sowie 2.7.1694, AFSt/H C 297: 1-3. 5-7).

28 Uberliefert ist ein Brief von Magdalena Sophia von Schleswig-Holstein-Oldenburg (s. Brief Nr. 73, Anm. 10) an Francke vom 12.4.(?)1693 (SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 2a/l:l).