Nr. 81 A.H. Francke an Ph.J. Später 16. 5. 1693
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durch eine commodam explicationem, in welche er consentiret, meynete gerettet zu haben, hat er gleich für der commission wieder revociret, und habe ichs ihm, auff erfordern, praesentibus von Jena 12 , Strieken 13 , Oleario 14 weitleufFig remonstriret, auch nach der zeit Herrn Elers 1 ' und Langen 16 seine 40 sonst guten Freund an Ihn geschicket, die in höchster Liebe mit ihm geredet, sed omnia sine effectu. Gott wird helffen. Confunduntur saltem ita, ut videant a nobis minime, quod forsan crediderunt, esse seduetos.
Die neue böse Schrifft 17 habe gesehen, aber nicht völlig gelesen. Ich kan nicht betrübt drüber seyn, sondern sehe es für einen großen Sieg an. Gott 45 wird ihren fliegendreck schon abwischen, daß die warheit dennoch ihren Schein behalt. Kan ich nur dazu kommen, diesen Sommer mein vorhaben wegen edirung des buchs 18 zu prosequiren, ut spero, soll vieles actu widerleget, und den Leuten aus dem hertzen genommen seyn. Je ärgers die weit machet, je beßer ists für uns. 50
Von Herrn D. Bilefjelden] 19 glauben auch das böse gerächte noch seine guten Freunde, daß nemlich seine Frau würcklich in der 29. wochen nach der hochzeit einkommen sey. 20 Ist es nicht wahr, so wolte ich wol, das er sich recht darinnen verantwortete. Ich bekenne sonst immer noch des Mannes wegen in Sorgen gestanden, und mich daher über eine jede gute Botschafft 55 von ihm desto hertzlicher gefreuet. Mir wäre lieb wenn mein theurester Vater ihm deswegen beweglich zuschreiben wolte. Es versichert mich einer, daß alles wider über einen hauffen gefallen, was er hier vermeyne gebaut zu haben, weil man dieses glaube.
12 Gottfried von Jena (s. Brief Nr. 16, Anm. 11).
13 Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21).
14 Johann Christian Olearius (s. Brief Nr. 20, Anm. 3). ■ 5 Heinrich Julius Elers (s. Brief Nr. 3, Anm. 7).
"' Johann Christian Lange (s. Brief Nr. 39, Anm. 15).
17 [Anonym], Außfuehrliche Beschreibung Des Unfugs/ Welchen Die Pietisten zu Halberstadt im Monat Decembri 1692. uemb die heilige Weynachts=Zeit gestifftet. Dabey zugleich von dem Pietistischen Wesen in gemein etwas gruendlicher gehandelt wird. Anno 1693. — Die auf diese Schrift verfaßten insgesamt 13 Refutationen z.B. von Spener (Gründliche Beantwortung, s. Brief Nr. 87, Anm. 10), Breithaupt (Wohlgemeinte Warnung, s. Brief Nr. 44, Anm. 22), Heinrich Fergen (Wahrhaftiger Bericht, s. Brief Nr. 34, Anm. 6), Francke (Verantwortung gegen die so genannte Beschreibung, s. Brief Nr. 30, Anm. 27) und Paul Anton (Ausführlicher Bericht, s. Brief Nr. 110, Anm. 64) stellen einen großen Teil der 1693/94 produzierten Streitschriften um den Pietismus (vgl. Gierl, 148fF, Auflistung aller Refutationen 150f, Anm. 88, Übersicht 152). Die herausragende Bedeutung dieser antipietistischen Schrift erklärt sich daraus, daß in der Rückführung auf Thomas Müntzer und die Münsteraner Täufer hier erstmals der Sektenvorwurf gegen den Pietismus erhoben und ausfuhrlich begründet wird (Ausfuhrliche Beschreibung, 7—12).
18 Wohl A.H. Francke, Glauchisches Gedenkbüchlein (s. Brief Nr. 80, Anm. 5).
19 Johann Christoph Bielefeld (s. Brief Nr. 30, Anm. 24).
20 Im Sommer 1692 war davon die Rede gewesen, daß Johann Christoph Bielefelds Frau 1691 nach 18 Wochen ihres Ehestandes ein Kind bekommen habe (s. Briefe Nr. 32, Z. 45-49, Nr. 33, Z. 32-38, Nr. 43, Z. 40f und Nr. 45, Z. 30-43). In der Ausführlichen Beschreibung wird die Geschichte als Beispiel dafür angesehen, daß das Reden der Pietisten von gottseligem Lebenswandel nur Heuchelei sei (Ausfuhrliche Beschreibung, wie Anm. 17, 31f).