306 Nr. 82 Ph.J. SpcneranA.H. Francke 20.5.1693

82. Ph.J. Spener an A.H. Francke

Berlin, 20. Mai 1693

Inhalt

Hält wegen Einrichtung einer Adjunktur eine mündliche Unterredung mit der Berliner Re­gierung für nützlich. Viele meinen (im Blick auf Ernst Christoph Hochmann von Hochenau, Christian Sigismund Sultzberger, Nikolaus Limmer), den Studenten würde zu große Freiheit gelassen werden. Francke und Breithaupt sollten schriftlich ihre Unschuld bezeugen. - Halt Vorwürfe gegen Johann Christoph Bielefeld und dessen Frau für unbegründet. Die Pröpstin von Quedlinburg, Magdalena Sophia von Holstein, ist wohl durch Information von [Christian Gottfried] Echlitius in Zeitz beeinflußt. - Prophezeiung vom Untergang Quedlinburgs (Maria Graf) wird Lästerungen nach sich ziehen.

Überlieferung

A: AFSt/H A 125: 35

D: Kramer, Beiträge, 300-302

Von unsrem Sieg= und lebens fürsten Jesu Christo gnade, sieg und leben! In demselben hertzlichgeliebter Bruder, wehrter Herr.

Die absieht wegen des adjuneti habe gnug verstanden 1 , und ist gewiß, das ein bloßer Studiosus nicht mehr alß einige stücke darvon übernehmen könte. Wie aber zurathen, und die intention zu erhalten, kan noch nicht absehen. Hielte gleichwol einmal eine mündliche underredung mit einigen hiesig[en] ministris nicht undienlich. Jetzo aber ist weder Churfürst 2 (zu dem zwahr auch keinen access zu verschaffen wüßte, der ich selbs denselben in einem jähr nicht gesehen habe) noch einer der Herren von Danckelmann 3 alhier. Wann sie aber widerkämen, ließe sich etwas versuchen. Herr Meinders 4 hatte in willens nach Halle der stieffsöhne 5 wegen zu kommen, aber ich höre, er

6 einigen ]D.

1 Vgl. Franckes Erläuterungen zu den Aufgaben eines künftigen Adjunkten in seinem Brief vom 16.5.1693 (s. Brief Nr. 81, Z. 4-18).

2 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).

3 Eberhard Christoph Balthasar von Danckelmann (s. Brief Nr. 13, Anm. 8) und Daniel Ludolf von Danckelmann (8.10.164814.2.1709), geb. in Lingen/Ems; Studium in Heidelberg, 1675 kurfürstlicher Regierungsrat in Halberstadt, 1685 Hof- und Kammergerichtsrat in Berlin; 1688 Geheimer Kabinettsrat, 1691 wirklicher Geheimer Staats- und Kriegsrat sowie Generalkriegs­kommissar; 1694 Kurator der Universität Halle; 1698 Oberdirektor über das Fürstentum Halber­stadt, 1702 Konsistorialpräsident in Berlin (DBE 2, 438f; NDB 3, 502f; Zedier 7, 115£).

4 Franz von Meinders (s. Brief Nr. 22, Anm. 26).

5 Es handelt sich um die 5 Söhne von Joachim Ernst Grumbkow (16371690), dessen Witwe, Gertrud Sophie, geb. von Grote, von Meinders geheiratet hatte: Otto Christian (aus der 1. Ehe des Vaters), Friedrich Wilhelm (1678-1739, späterer preußischer Generalfeldmarschall), Carl