Nr. 82 PhJ. Später mAM. Francke 20.5.1693
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seye darvon abgehalten worden, hätte sonst gehofft, das mit ihm daselbs gesprochen werden mögen.
Der studiosorum Sultzbergers 6 und Hochmans 7 reden (so selbs in dem protocol gelesen 8 ) und von geliebtem Bruder bedeutete ihre hartnäckigkeit, 15 machen mir nicht wenigen kummer: und muß ich den außgang, von dem noch nichts vorsehen kan, lediglich göttlicher weisen regirung überlaßen. Es ist von underschiedlichen Christlichen und verständigen leuten geurtheilet worden, daß man die studiosos zu frühe in allzugroße freyheit gelaßen, das sie deswegen auch allen respect ihrer eigenen praeceptorum entwachsen 20 sind. So bereits traurige früchten gebracht, u. sorglich noch mehrere bringen mag. Wir werden sorglich mit unsrem Herrn Limmer 9 , so auch von Halle hiehergekommen, unsre noth bekommen, alß der auch schon sehr auß denen ihm geziehmenden schrancken schreitet, u. sich übel einhält thun leßet: da- rauß leicht schwehre motus vorsehe, so allerley böses nach sich ziehen mögen, 25 wo der Herr nicht sonderlich beystehet, und das gemüth des menschen, der auff eigenem kopff immer bestehet, lencket. Ich hielte im übrig[en] vor nicht unrathsam, das gelfiebter] Bruder u. Herr Breithaupt 10 mit einer schrifft bey der commission" einkämen, ihre Unschuld in diesen Sachen bezeugten, und sie ad acta zulegen beteten, damit sie auch mit hieher kämen. 12 Wie dann 30 allerdings nötig sein will, daß dero formlicher dissensus über dergleichen Unordnungen hier bekannt werde. Ich habe auch gesehen, das M. Sternbeck 13 auch zu der commission gezogen worden. Ists derjenige, wie ich vermuthe, so nach Greitz gesendet worden, so bitte hertzlich, ihn mit liebe u. ernst zu ermahnen, das er doch nicht auß der Ordnung schreite, und daselbs anstatt 35 erbauung jammer stiffte.
An Herrn D. Bilefelden 14 werde, sobald ich kan, wie ihm dann eine ant- wort schuldig bin, schreiben. Wo nur die jetzige unruhe am Rhein und
15 gelesen) ] + (außage). 15 hartnäckigkeit, ] + (ist). 35 /daselbs/.
Ernst, Friedrich Ludwig und Philipp Otto (1684—1752, späterer preußischer General) (DBA 431, 383-389. 392-396; ADB 10, 22; Zedier 11, 1129f; Westf. Lebensbilder 3, 263f).
6 Christian Sigismund Sultzberger (s. Briefe Nr. 16, Anm. 33 und Nr. 81, Anm. 8).
7 Ernst Christoph Hochmann von Hochenau (s. Brief Nr. 79, Anm. 17).
8 Protokoll des Verhörs vom 1.5.1693 (s. Brief Nr. 81, Anm. 8).
9 [Nikolaus (?)] Limmer (s. Brief Nr. 78, Anm. 26).
10 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).
11 S. Briefe Nr. 79, Anm. 19 und Nr. 81, Anm. 8.
12 Zu einer derartigen Stellungnahme Franckes und Breithaupts kam es nicht (vgl. Renkewitz; 36).
13 Johann David Sternbeck, geb. in Schweina bei Salzungen als Sohn des späteren Saalfelder Superintendenten Paul Sternbeck (s. Brief Nr. 10, Anm. 28), 1684 Studium in Jena, mußte im Mai 1693 Halle innerhalb von 4 Tagen verlassen (Matrikel Jena 2, 784; Renkewitz, 29. 36). - Nach Auskunft des Landeskirchenarchivs in Eisenach läßt sich eine pfarramtliche Tätigkeit Sternbecks in Greiz oder Schleiz (so angegeben durch Breithaupt an Spener 19.5.1693, AFSt/H D 66: 193-194, hier 193 r ) nicht nachweisen.
14 Johann Christoph Bielefeld (s. Brief Nr. 30, Anm. 24).