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Nr. 84 Ph.J. Später an A.H. Branche 3. 6. 1693

Im übrigen achte denselben und Herrn D. Breithaupten 4 nicht nur nützlich

20 sondern nötig, nicht allein bey der commission mit einer schrifft einzukom­men 5 , sondern nunmehr auch, weil vernehme, das unser gnädigster Herr nach Halle kommen wird 6 , u. kein zweiffei ist, das es an leuten nicht manglen werde, die beyde Herren 7 bey S[einer] Churfjurstlichen] Durchlaucht und den ministris schwartz zumachen sich bemühen werden, audienz zu suchen

25 bey beiden Herren von Danckelmann 8 , davon der Gener[al] Kriegs Com- missarius 9 ohne das die curam der academiae hat, und gegen dieselbe ihre so Unschuld als displicenz an einigen dingen, so von studiosis vorgegangen, zubezeugen, und sie diesesmal nicht eben bloß zuentschuldigen: sonderlich aber zuweisen, das alle Unordnungen nicht auß ihrer lehr, sondern von andern

30 orten, her komme: wie uns dann die sonst liebe Frau Schwartzin 10 nicht wenig ungelegenheit gemacht hat, die sich darnach so leicht nicht stillen laßen alß sie angefangen worden sind. Ich wünschte hertzlich, das sie erst hier gewesen, ehe sie nach Halle u. Leipzig gekommen, 11 so hoffte ich, sie solte in den meisten dingen retirader 12 gegangen sein, und des lermens weniger

35 sich erhoben haben. Wie sie zwahr auch geklagt, das ihr nirgend mehr als hier widerstanden worden seye: wie dann nicht nur ich, sondern auch Herr Schade und Herr Lange, nachtrücklich u. auffrichtig mit ihr geredet. 13 Aber da war schon in Halle u. Leipzig das meiste vorgegangen, da man nachmal nicht eben gern gar zurücke gehen will. Doch wird der Herr helffen. 14

40 Auff jenes wider zu kommen, bitte hertzlich mit Herrn D. Breithaupten die sache in der forcht des Herrn zu überlegen, u. gegenwärtige gelegenheit, die er eben darzu zusenden scheinet, nicht zuversäumen. Es wird mir auch von einem Christlichen freund 15 an hand gegeben, das es nützlich wäre,

4 Joachim Justus Breithaupt (s. Brief Nr. 7, Anm. 36).

5 S. Briefe Nr. 82, Z. 27-32 und Anm. 12 und Nr. 83, Z. 23-25.

6 Ein entsprechender Aufenthalt Friedrichs III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11) in Halle konnte nicht nachgewiesen werden.

7 Francke und Breithaupt.

8 Daniel Ludolf (s. Brief Nr. 82, Anm. 3) und Eberhard Christoph Balthasar von Danckel­mann (s. Brief Nr. 13, Anm. 8).

9 Daniel Ludolf von Danckelmann.

10 Adelheid Sybille Schwartz (s. Brief Nr. 55, Anm. 16).

11 Schwarz war erstmalig im Herbst 1692 in Halle gewesen (s. Brief Nr. 55, Z. 29-32) und hatte sich ein zweites Mal Ende Februar 1693 in der Stadt aufgehalten (vgl. Schwarz an Francke, 22.2. und 6.3.1693, SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 19: 12-14; Wotschke, Debora, 278).

12 Zurückhaltender (von franz. retirade).

13 Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12), Nikolaus Lange (s. Brief Nr. 7, Anm. 12) und Spener hatten Schwarz ermahnt, sich wieder den ihr in Lübeck als Hausfrau zukommenden Aufgaben zuzuwenden (Wotschke, Debora, 273f). Zudem hatte Spener sich ihr gegenüber of­fenbar gegen die Praxis der Privatkommunion geäußert (Spener an [A.S. Schwarz (?)], 21.2.1693, Bed. 3, 404f). Tatsachlich kehrte Schwarz im Juni oder Juli 1693 nach Lübeck zurück (vgl. Schwarz an Francke, 29.7.1693, SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 19: 18-19).

14 Vgl. Ps 55,17b.

15 Nicht ermittelt.