Nr. 84 Pli.J. Später an A.H. Fnwckc 3. 6. 1693
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Herrn gehfeimen] Secretarium Ilgen 16 , so bey den Herren von Danckelmann viel gelte, zu sprechen, und gelegenheit zu nehmen, ihm einiges nötiges bey- zubringen. Under der noblesse könte man sich adressiren an den Cammerherrn von Bonin 17 (so das collegium mehrmal besucht 18 ) und Herr von der Lühe 19 . Der Herr aber richte selbs ihren gang, und lege auff ihre zunge, was sie reden solle: sodann führe seine sache herlich hinauß 20 . In deßen treue liebe und kräfftige wirckung schließlich denselben hertzlich erlaßende verbleibe
Meines hertzlichgel[iebten] Bruders zu gebet und liebe williger
Phfilipp] J[acob] Spener, D. Mppria
Berlin den 3. Jun. 1693.
Meinen Sohn 21 recommendire denselben nochmal zu Christlicher auffmunt- rung.
Herrn D. Breithaupten grüße ich hertzlich in dem Herrn, und bitte nur dieses, weil nicht schreiben kan, 22 das jetzt durchauß die Zeit nicht seye, Herrn geh[eimem] R[athJ Stryken 23 zu contradiciren 24 . Herr D. Dannhauer 2 " 1 in collfegio] Decal[ogico] 26 gehet nicht weit von ihm ab. 27
16 Heinrich Rüdiger von Ilgen (30.9.1654-6.12.1728), geb. in Petershagen bei Minden, 1672 im Dienst der brandenburgischen Regierung in Minden, 1683 Geheimer Kammersekretär in Berlin, 1693 Hofrat, 1699 Geheimer Rat, 1701 wirklicher Geheimer Rat und geadelt, 1711 erster preußischer Außenminister (DBA 587, 189; DBE 5, 248; ADB 14, 16-19; NDB 10, 133f).
17 Wohl Christoph Ulrich von Bonin, kurbrandenburgischer Landkammerrat (vgl. DBA 125, 33).
18 Da Spener in Berlin keine Collegia hielt, sondern nur Theologiestudenten, die sich in Berlin aufhielten, sonntagnachmittags in sein Haus einlud, könnten Besuche der von Johann Caspar Schade gehaltenen Erbauungsversammlungen gemeint sein (vgl. Wali.mann, Theologie und Frömmigkeit, 313).
19 In Frage kommt aus der mecklenburgischen Adelsfamilie von der Lühe (vgl. Gauhe 1, 1278f) Johann von der Lühe (6.4.1650-22.3.1707), geb. in Schulenburg (Stolberg Nr. 15855; Genealogisches Handbuch der adeligen Häuser 18, Limburg a.d. Lahn 1985 [= Genealogisches Handbuch des Adels, 87], 190); dieser (?) war 1699 kurbrandenburgischer Kammerjunker und Baron, 1701 Hauptmann und spendete mehrfach Gelder für Franckes Waisenhaus (vgl. Briefe Nr. 163, Z. 28-30, Nr. 168, Z. 13-16, Nr. 224, Z. 35f und Nr. 238, Z. 13-19 u.ö.).
20 Vgl. Jer 10,23 und Spr 16,1; Jes 28,29.
21 Christian Maximilian Spener (s. Brief Nr. 21, Anm. 8).
22 Da die im folgenden thematisierte Widerlegung Strycks in Breithaupts Brief an Spener vom 19.5.1693 (s. Brief Nr. 81, Anm. 9) keine Rolle spielt, bezieht sich Spener offensichtlich auf ein nicht überliefertes Schreiben Breithaupts, das dieser nach dem 19.5., wegen der Posttage wohl spätestens am 30.5.1693, abgefaßt haben muß.
23 Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21).
24 Die Bemerkung bezieht sich wohl auf S. Stryck, Disputationem Iuridicam, De Sententia Contra Fiscum Ferenda, Ad L. X. ff. de Iure Fisci In Alma Fridericiana Praeside, Dn. Samuele Strykio [...] D. XXVI. Maji, MDCXCIII. [...] placido examini submittet Autor Ernest. Bogisl. de Collrepp. Eqves Pomeranus, Halle [1693], unter deren Corollaria Nr. 1 lautet: „Absurdum in Republ. est, Judicem non secundum acta & probata, sed secundum conscientiamjudicare debere" [49]. Eine Entgegnung Breithaupts ist nicht bekannt.
23 Johann Konrad Dannhauer (s. Brief Nr. 75, Anm. 11).