Nr. 86 A.H. Francke an Ph.J. Später 23. 9. 1693

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überreichen. Hätte gern noch mehr gesandt, werde aber von dem Buch- fuhrer 7 auffgehalten, daß er mir die versprochenen noch nicht gelieffert. 20

So werde auch nicht gar viel senden können, weil ich in meiner Gemeine in ein jeglich hauß ein exemplar gebe. Hoffe ja aber auch der Herr werde es an dem armen hauffen 8 nicht ohne Segen seyn laßen. Solte mein theurester Vater so viel Zeit erübrigen können, es durchzulesen, wolte wol gebeten haben daß inter legendum möchte ein wenig annotiret werden, wo etwas 25 zu erinnern beyfället, welches mir zum wenigsten zu mehrer erbauung, und auch irgend dereins in einer andern aufflage dienen könte.

Die Manuductio ad lectionem Scripturae Sfacrae] 9 ist nun auch unter der Preße, und meyne ich solche den Herren Curatoribus Academiae 10 zu dedi- ciren. Meine Verantwortung gegen den Unfug' 1 wird auch bereits gedrucket, 30 und muß noch in der Meße mit zum Vorschein kommen. Gott gebe nur, daß es zum Frieden und nicht zu mehrer Weiterung diene. Gott weiß es, wie sauer es mir wird an solche arbeit zu gehen. Ist es meiner Faulheit schuld, so wolle er mirs vergeben, aber ich furchte immer man mache die Sache eher schlimmer als beßer. Da hingegen Gedult und würcklicher beweiß eines 35 rechtschaffenen wesens in der Länge großen Nachdruck hat. Ich laße den Entwurff von Gnade und Wahrheit mit hinten an drucken 12 , daß der Leser nicht ohne erbauung sey.

In Leipzig bin ich von Herrn Heinichen 13 zu Gevattern gebeten nebst der Fr. Lic. Rechenbergerin 14 , und hat man meinetwegen den Tauff=actum 40 auffgeschoben, und meiner willig gewartet. Doch hatte ich nicht Zeit selbst hinüber zu kommen. Ich überlaße meinem theuresten Vater, wie derselbe die

41 /willig/.

7 Verleger des Glauchischen Gedenkbüchleins war Caspar Würdig. Lebensdaten wurden nicht ermittelt.

8 Vgl.Jes 5,4.

9 A.H. Francke, Manuductio ad lectionem Scripturae Sacrae (s. Brief Nr. 50, Anm. 9).

10 Daniel Ludolf von Danckelmann (s. Brief Nr. 82, Anm. 3) und Johann Friedrich von Rhetz (um 1632-6.10.1707), geb. in Brandenburg; Studium in Helmstedt, Wittenberg und 1653 in Frankfurt/Oder; 1660 Dr. und Prof. jur. in Frankfurt/Oder, 1673 kurfürstlich brandenburgischer Rat, 1682 wirklicher Minister (DBA 1029, 3-15; Dreyhaupt 2, 18; Gauhe 1, 1830; Matrikel Frankfurt 2, 38. 85. 165 u.ö.).

11 A.H. Francke, Verantwortung gegen die so genannte Beschreibung des Unfugs der Pietisten (s. Brief Nr. 30, Anm. 27). - Tatsächlich erschien Franckes Refutation gegen die Ausführliche Beschreibung (s. Brief Nr. 81, Anm. 17) erst 1694.

12 A.H. Francke, Verantwortung gegen die so genannte Beschreibung (s. Anm. 11), M- N3. - Das ManuskriptGnade und Wahrheit" datiert vom 10.6.1692; Spener hatte es im Juli 1692 durchgesehen und Änderungsvorschläge gemacht. Es erschien später als eigenständiger Druck (s. Briefe Nr. 30, Anm. 27, Nr! 37, Anm. 18 und Nr. 79, Z. 43-45 und Anm. 10).

13 Johann Heinich (s. Brief Nr. 5, Anm. 4).

14 Susanna Katharina Rechenberg, geb. Spener (s. Brief Nr. 37, Anm. 38).