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Nr. 86 A.H. Francfee an Pli.J. Spener 23. 9. 1693
exemplaria meines büchleins vertheilen wolle. Womit denselben der Gnade Gottes befehlend verharre
Meines theuresten Vaters in Christo Gehorsamer Sohn
M. Augustus Hermann Francke.
Glauche an Halle den 23. Sept. 1693.
P.S. weil Herr Müller am verwichenen post=tage nicht mit fort kommen können, habe das Schreiben und die Sachen auch so lange liegen lassen. 15
Berichte noch (wiewol es vielleicht schon bekant) daß der liebe M. Opitz, Pfarrer zu Silbitz 16 3 Stunden vonhier, gestorben, welcher in seinem Leben zu sagen pflegete, D. Spener ist mein Vater, der hat mir durch seine Schrifften die äugen geöffnet. An seinem Ende hat er an uns sonderlich begehret, daß wir doch mit beyräthig seyn solten, daß seine Stelle mit einer solchen person wieder versehen würde, die nicht wieder einriße, was er gebauet hätte. In seiner nachbarschafft zu Wettin, waren adeliche 17 , welche sich die Mühe nicht haben verdrießen lassen auch bey schlimmen wetter eine Stunde lang nach seiner Kirche zu gehen.
Weil ich eben jetzo da Herr Müller von mir abschied nimmet, zu recht gelegener Zeit die exemplarien von meinem Gedenckbüchlein lx ankommen, so habe noch 17 exemplaria beygeleget, und wird Sie Herr Müller gern an die Herren Gehfeimen] Rath und prediger oder wie sie sonderlich nach dem Schreibpapier disponiret werden, herumtragen. Bitte mir zu gut zu halten, daß ich mühe damit verursache.
Dem HochEhrwürdigen, in Gott andächtigen und hochgelahrten Herrn, Herrn Philipp Jacob Spenern, der H. S[chrifft] D. und Churfürstlich Brandenburgischen Consistorial-Rath und Probsten meinem theuresten Vater im Herrn, in Berlin.
54 an ] -D. 56 wieder ] -D.
15 Francke schickte den Brief also nicht mit der am Sonntag, 24.9., sondern erst mit der am Mittwoch, 27.9., fahrenden Post ab und fügte das folgende dementsprechend wohl am 26.9.1693 hinzu.
16 Johann Ernst Opitz (gest. 1693), geb. in Zschopau; 1669 Studium in Leipzig, 1676 in Wittenberg (1677 Magister); seit 1681 Pfarrer in Sylbitz bei Halle (Matrikel Leipzig, 320; Matrikel Wittenberg, 249; Auskunft Pfarrerkartei der KPS).
17 Nicht ermittelt.
18 S. Anm. 6.