Nr. 89 Ph.J. Später an A.H. Francke 20.2.1694
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er von Churffürstlicher] Durchlaucht 6 dahin beliebet seye, solle aber an der außfmdung der besoldung damal gemanglet haben, was nun seiter darinnen vorgegangen, und wie das werck würcklich jetzo stehe, weiß ich nicht. So bin auch nicht in abrede, daß weil mich mein amt nicht darzu treibet, ich darüber alhier nicht gefragt werde werden, noch einige sondere tringende ursach habe, mich in das geschafft ohnberuffen einzumischen, die resolution nicht faßen kan, etwas in der sache zu thun, sondern dem gewißen sicherer finde, die göttliche regirung in allem selbs walten zulaßen: weil wenn ich auch wircklich in die berathschlagung mitgezogen würde, kaum auff welche seite ich mich wenden solte, zu resolviren wüßte. Ich gönne den lieben seelen zu Quedlinburg von grund meiner Seelen alles was zu ihrer erbauung ihnen nötig ist: ich dancke auch Gott, der sobald ein gutes Vertrauen gegen ihn in das hertz der meisten zuhörer geleget hat, auff welchen grund sich nachmal soviel mehr und fester bauen läßet: also trage ich keinen zweiffei, daß er nicht ohne segen da bleiben würde. Daher wo die sache bloßer dings in meiner freyen willkühr stünde, ich ihn auffs wenigste noch eine solange zeit in Quedlinburg laßen würde, daß er einen solchen grund legte, auff den auch andre weniger begabte ferner bauen könten. 7 Hingegen bin nicht in abrede, daß ich das maaß seiner gaben zu groß achte, als sein lebetage in einer so kleinen gemeinde, wie mir die Quedlinburgische beschrieben worden, zuzubringen. So ist hingegen auch bekant, daß Halberstatt sowol eines mit stattlichen gaben außgerüsteten mannes bedürfftig ist, als in statt und land mehrere gelegenheit reicherer frucht geben kan. Und ob sich daselbs einer auch starcker hindernüßen zubefahren hat, wie ich nicht leugnen will, so wirds hingegen Quedlinburg einem auch nicht schencken, und mags Herr Lüders bereits zum theil fühlen. Daher wie mir nicht getraute, selbs durch deßen Versetzung wegen gedachter scrupul Christliche hertzen solches orts zubetrüben, so machte mir hingegen auch ein gewißen, und achtete es wider die liebe so Herrn Lüders als insgesamt der Kirchen zu sein, wo ich, da es sonsten also resolviret wäre oder würde, und jener darzu geneigt wäre, ihm eine gelegenheit einer reichern saat, und dem gantzen Fürstenthum einen mann, deßen dasselbe hochbedörfftig, entziehen solte. Daher mir in diesem meinen zweiffel nichts anders übrig bleibet, als weil mich Gott selbs auß dem geschäfft laßet, das ich mich nicht in dasselbe ingerire, sondern es insgesamt göttlicher heiliger direction lediglich überlaße, und mit gebet empfehle. Der Herr, der macht über seine diener hat, laße oder sende auch diesen, wie es seiner ehre und der Kirchen am vorträglichsten ist. Welches auch zugeschehen von seiner güte mich gewiß versehe.
26 fester ] + (sich). 36 hindernüßen ] + (daselbs).
6 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).
7 Vgl. lKor3,10.