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Nr. 89 Ph.J. Spener an A.H. Fraruke 20.2.1694
Im übrigen habe auch bringern dieses, des Herrn praepositi von Flensburg 8 Sohn, einen candidatum ministerii 9 , recommendiren sollen. Es ist derselbe mit schreiben von Herrn Brackern 10 vorige Woche hieher gekommen, um mich zu consuliren, wie und wo er seine studia sonderlich fortsetzen, und sich vollends zu dem amt geschickt machen solte. Wie er nur ohne das die gedancken auf Halle gewendet, habe ihn billich darinen bekräfftigt: er mich aber dabey gebeten, das ihm an geliebten Bruder auch adresse geben, und sonderlich bitten solte, ob er deßen hauß= u. tischgenoß werden könte: welches er verlanget. Ob ihn wol nun noch nicht lang kenne, so hat mir gleichwol Herrn Brackers brieff, u. was mit ihm geredet, die beste hoffhung von ihm gemacht, daß er einer nähern admission sich nicht unwürdig machen werde. Der Herr laße sein vorhaben in Hall nicht ungesegnet bleiben, damit er dermaleins mit vieler frucht wider nach hauß komme, und auch durch ihn ihres orts guter gruch sich daselbs außbreite. In deßen gütigste obhut und heilige regierung treulich erlaßende verbleibe.
Meines hertzlichgeliebten Bruders u. Herrn zu gebet und liebe williger
Ph[ilipp] Jjacob] Spener, D. Mppria
Berlin den 20. Febr. 1694.
Unser wehrte Herr v. Schweinitz 11 steht in sehr schwehren anfechtungen, das ihm fast alle leibes u. gemüths kräfften entgehen. Bitte seiner hertzlich vor Gott zu gedencken, u. das es auch von andern Christlichen seelen geschehe zu veranlaßen.
8 Johannes Lysius (19.8.1632-1.7.1694), geb. in Flensburg; 1667 Diakon, ab 1672 Pfarrer an St. Marien in Flensburg (Jöcher 2, 2634; Pfarrerbuch Schleswig-Holstein 2, 46).
9 Heinrich Lysius (24.10.1670-16.10.1731), geb. in Flensburg; 1686 Studium in Leipzig, 1687 in Jena, 24.4.1694 in Halle (1702 Dr. theol.); 1702 ao. Prof. theol., Direktor des Collegium Fridericianum und Prediger in Königsberg, 1707 o. Prof., zudem 1715 dritter Hofprediger, 1717 Konsistorialrat und Inspektor der Kirchen und Schulen im litauischen Preußen, 1721 Prof. primarius und Senior facultatis sowie Pfarrer und Inspektor an der Stadtkirche in Löbe- nicht (DBA 792, 437-440; ADB 19, 741; Jöcher 2, 2634f, EB 4, 282f; RGG 4 5, 631f; Matrikel Leipzig, 273; Matrikel Jena 2, 494; Matrikel Halle, 269; J. Horkel, Der Holzkämmerer Theodor Gehr und die Anfänge des Königlichen Friedrichs-Collegiums zu Königsberg, Königsberg 1855; SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 14). — Lysius förderte die Ausbreitung des Pietismus hallischer Prägung in Preußisch-Litauen, verfaßte entsprechende Streitschriften und bemühte sich um eine Reform des Schulwesens (u.a. 1719 litauische Übersetzung des Kleinen Katechismus [gedruckt Vilnius 1993 u. Frankfurt a.M. 1993]).
10 Hinrich Braker (gest. 1728), geb. in Flensburg; Studium 1684 in Kiel und 1686 in Jena; 1690 Praeceptor Quintus am Flensburger Gymnasium, 1692 einjähriger Aufenthalt in Speners Haus in Berlin; 1699 Adjunkt, 1703 Diakon und 1707 Pfarrer an der Nikolaikirche in Flensburg (DBA 133, 74-77;Jöcher 1, 1327f; Pfarrerbuch Schleswig-Holstein 1, 77; Jakubowski-Tiessen, 45. 74f. 102 u.ö.). — Braker, der zunächst Speneranhänger war, wurde später einer der schärfsten Gegner des Pietismus. Der Brief Brakers wurde nicht ermittelt.
" Georg Rudolph von Schweinitz (s. Brief Nr. 30, Anm. 5).