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Nr. 92 A.H. Francke an Ph.J. Spam 12. 5. 1694

längst zu Rammelburg, des Herrn Stifftshauptmans 9 adelichen hause 5 meilen

2o von hier als die Tauffhandlung eines Türcken vorgegangen bekant worden, wiewol wir vorhin schon über 1'/4 Jahre brieffe gewechselt hatten , und mir das gute Zeugniß ihres gar ernstlichen Christenthums schon in Erffurt bekant gewesen. Es istjetzo nur noch übrig, daß auch ihrem Herrn Vormund", und Herrn brüdern 12 , deren einer doch alhier mein beichtkind gewesen, nachricht

25 davon gegeben werde, und suchen wir ihnen durch vermittelung des Herrn Stifftshauptmanns also beyzukommen, daß alles mit ihrem guten consens und gutem willen geschehe, ehe wir zu der würcklichen Eheverlöbniß schreiten, und gehet meine intention dahin, daß noch vor der inauguration unser Uni- versitet 13 auch die hochzeit vollenzogen werde 14 , und hoffe ich aus allen ohne

30 aüsserlicher weitleuffigkeit zu kommen. Inzwischen bitte noch zur Zeit die Sache geheim zu halten, ohne daß auch hierzu Herrn M. Schadens 15 Gebet verlange, wie denn auch nicht zweiffele, mein theurester Vater werde mir von Gott erbitten helffen, daß des Vormundes und der anverwanten hertzen, welche wol theils übel von mir informiret sind, und es auch um des welt-

35 liehen adels willen ihnen werden schimpfflich achten, nach unserm wünsch gelencket werden, und auch sonsten dem Satan nicht vergönnet werde, sein Spiel drein zu machen. Ich tröste mich indessen, daß auch Chrfistus] spr[icht] in dem morgendefn] Evangelio: Ich sage nicht, daß ich den Vater für euch bitten wil, denn er selbst der Vater hat euch lieb. 16

40 In meinem amte achte ich jetzo für einen neuen Segen, daß in unsrer Glauchischen Kirche eine neue porkirche von 28 biß 30 Ständen für die Herrn Professores, unter denen auch der Herr Strieck 17 , und studiosos, wie auch ein weiberstand für 8 Personen aus der Stadt Halle, da die Fr. Gehfeim]

30 bitte ] + (die Sache). 38 morgende[n]: cj.

9 Adrian Adam von Stammer (s. Brief Nr. 14, Anm. 6).

10 Der älteste überlieferte Brief von Wurms an Francke datiert vom 15.6.1692 (AFSt/H A 130 a : 1). Franckes Briefe an von Wurm sind nicht überliefert.

11 Nicht ermittelt. Von Wurm erwähnt den Vormund wegen der zu befürchtenden Ver­weigerung der Zustimmung zur Heirat in ihren Briefen ab Mai 1694 regelmäßig, nennt aber nicht denNamen (vgl. AFSt/H A 130 a : 18-25).

12 Die Brüder Hans Georg (gest. 1731), Siegmund Heinrich (16691721) und Ludwig Ernst (16761725) von Wurm (Zedier 60, 35f; Gauhe 1, 2971) erwiesen sich als besonders hartnäckige Gegner der geplanten Heirat (vgl. von Wurm an Francke, wie Anm. 11; Kramer 1, 131 ff; Wotschke, Vockerodt, 67-71).

13 Die Einweihung der Friedrichsuniversität Halle erfolgte am 1.7.1694 (vgl. GStA PK HA I, Rep. 52, Nr. 159 Nl [1531, 1690-1698], Bl. 1-302: Acta die Privilegia der Friedrichuniversität betreffend; darin Bl. 193203: Ceremonien, 1.7.1694; Schräder 1, 6266).

14 Die Trauung wurde am 4.6.1694 durch Johann Heinrich Sprögel (s. Brief Nr. 8, Anm. 10) in Rammelburg vollzogen (Schulz, 105-107).

15 Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12).

16 Joh 16,26b-27a.

17 Samuel Stryck (s. Brief Nr. 31, Anm. 21).