Nr. 92 A.H. Francke an Ph.J. Später 12. 5. 1694
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R[äthin] Striecken 18 zwey genommen, erbauet wird, auch fast fertig sind. So vermehret sich auch sonst der Segen gar mercklich und finden sich noch immer, die aufFs neue sich von hertzen zu Gott bekehren, und an denen, die die warheit erkant, findet sich ein ziemliches wachsthum, wiewohl es auch an solchen leider ! nicht fehlet, welche mir amt und Gewissen schwer machen, und als zweymahl erstorbene bäume 19 dem Fluch sehr nahe scheinen. Im beichtstuhl bin ich einer ziemlichen last entlediget, weil die leute sich großer Freyheit gebrauchen, in der Stadt zu beichten, da sie frey angenommen werden, wodurch ich denn der schlimmsten guten theils wo nicht gantz loß bin, sonderlich der Schencken 20 .
Gott wird ferner helffen. Ich bitte mir beten zu helffen, daß ich ja in keinem Stück nachlässiger werde in dem Ehestande, sondern daß der Segen und der Nachdruck sich vermehre.
Ich empfhele hiemit der Gnade, Liebe und Treue Gottes, und verharre, nechst hertzlicher begrüss[ung] dero Eheliebsten 21 , Herrn M. Schaden p.
Mjeines] theuresten Vaters in Christo
Gehorsamster M. Augfust] Hermann Francke. Mppria.
Glauche an Halle den 12. Maj. 1694.
Dem Hochwürdigen, in Gott andächtigen, und hochgelahrten Herrn, Herrn Philipp Jacob Spenern, der H. Sch[rifft] D. Churfürstlich Brandenburgischen Consistorial-Rath und Probsten an einem Hochwehrtgeschätzten Gönner in Berlin. Francö.
58 begrüss[ung]: cj.
18 Catharina Stryck, geb. Woerdenhoff (22.4.1655-3.9.1707), geb. in Hamburg; seit 1678 verheiratet mit Samuel Stryck (DBA 1243, 329f; Stolberg Nr. 24535; Dreyhaupt 2, 731).
19 Jud 12.
20 Die Glauchaer Wirte hatten Francke bereits im Juli 1692, nachdem er ihnen wegen des Bewirtens von Gästen an Sonntagen die Absolution verweigert hatte, verklagt und verkörperten den Kern des gegen Francke eingestellten Teils der Glauchaer Gemeinde (s. Brief Nr. 28, Anm. 6; vgl. Briefe Nr. 29-35).
21 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).