Nr. 93 Ph.J. Später an AM. Franckc 19. 5. 1694
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bringe er sie liebe hertzen mit allem vergnügen zusammen, und heilige seine 20 Ordnung an ihnen, daß sie werde eine versüßung ihres lebens, eine zierde und erleichterung des amts u. deßen lasts, eine gelegenheit vieler Übung der gott- seligkeit, eine auffmunterung beiderseits gaben, und tägliche Vermehrung des danckbaren preises Gottes auß ihrem hertzen und munde.
Es hat mich auch billich bißher offt gefreuet, was von dem gesegneten 25 fortgang des wercks des Herren an seinem ort vernehme; der Herr aber selbs gebe immer einen sieg nach dem andern, und eine frucht des außgestreuten saamens nach der andern. Sonderlich ist mir lieb, das von geliebtem Bruder ein stein des anstoßes dardurch weggenommen, und ihm die last erleichtert wird, daß mehrere derer, die ihm zu admittiren sonst zu schwehr worden 30 wäre, sich selbs deßen dienstes entziehen, und sich zu der statt halten. 6 Wie wünschte ich so hertzlich, das unser lieber Herr Schade 7 (mit deme seiter communicirung des brieffs mich nicht besprechen können) auch eine erleichterung der last in seiner Seelen, die fast zur erde getrucket wird, finden könte. Wie mir dann sein anligen um seinetwillen selbs wol inniglich anliget, 35 aber in einer großen und von allerley leuten bestehenden gemeinde, und da etliche collegae den beichtstuhl unter sich haben 8 , sehe fast das geringste nicht, wie der mann leichterung finde, wo nicht sein gewißen dasjenige faßet, wodurch mehrere Christliche hertzen sich beruhigen, nicht aber alle darmit zufrieden sich geben können 9 . Der Herr spreche selbs in seine Seele, wor- 40 durch sie zur ruhe komme. 10
Vorige woche zu ende hatte er und ich eine erquickung an Herrn Witschern von Güstrau 11 , so einen Sohn hieher in die Apothek that 12 , und also
28 /von/. 31 wäre ( wären. 31 dienstes ( di..(?). 37 /den/. 38 nicht ( ist.
6 Vgl. Brief Nr. 92, Z. 49-53 und Anm. 20.
7 Johann Caspar Schade (s. Brief Nr. 19, Anm. 12).
8 An St. Nikolai in Berlin waren außer Spener als Propst und Schade als 3. Diakon zu diesem Zeitpunkt Johann Georg Zeitz (s. Brief Nr. 99, Anm. 40) als Archidiakon und Johann Schindler (s. Brief Nr. 110, Anm. 12) als 2. Diakon tätig (vgl. Pfarrerbuch Brandenburg 1, 8-10 u. 2/2, 748. 991).
9 Spener dürfte den Artikel von der Rechtfertigung allein aus Glauben, dessen grundlegende Geltung er auch in den perfektionistischen Ansprüchen von Anhängern Franckes gefährdet sah (s. Brief Nr. 79, Z. 4-72), meinen.
10 Vgl. Jer 6,16; Mt 11,29.
11 Heinrich Witsche (9.10.1644-6.5.1714), geb. in Lübeck, Informator in Güstrow, 1678 Pfarrer in Plau in Mecklenburg, 1682 Hospitalprediger an der Heiliggeistkirche und ao. Prediger an der Kathedralkirche in Güstrow (DBA 1382, 176; Pfarrerbuch Mecklenburg 1, 353. 451). - Witsche veröffentlichte nach den Angaben Jöchers und Zedlers Die gekränkte und wieder geheilete Freudigkeit zu Gott im Gebete, oder Unterricht für die, welche klagen, daß sie nicht mit freudiger Zuversicht beten können, nebst einer schriftmäßigen Selbstprüfung, Rostock 1706 ( 2 1715; vgl. Jöcher 4, 2029; Zedier 57, 1567). Exemplare dieser Schrift konnten nicht nachgewiesen werden.
12 Wohl Heinrich Witsche jun. (gest. 17.9.1711), 1707 Dr. med. in Leiden, Arzt in Güstrow (DBA 1382, 177).