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Nr. 93 Pli.J. Spcner an A.H. Francke 19.5.1694
etzliche tage hier zu bleiben ursach hatte. Daher weil wegen eines starcken 45 flußes in dem haupt Sontags nicht selbs predigen konte, mich der gelegenheit gebrauchte, das er eine gastpredigt hier that. Ich liebe den mann hertzlich, u. finde ein theures göttliches pfund in ihm.
In Königsberg wird nun Herr D. Pfeiffer dimittirt 13 , nach dem seine so große inclination zum papstum sich durch seinen geschriebenen Catechis- 5o mum 14 allzu offenbahrlich an den tag geleget. Es wurde hier, da er sonsten die größte Patronen hatte, die ihn schützten so lang es müglich war, nach dem auch seine Apologie 15 der landstände beschuldigungen samt des Consistorij und ministerij censuren mehr bekräfftigte als widerlegte, eine commission auff Herrn gehfeimen] Rjath] von PuffendorfF' 6 , Herrn Pr[obst] Lütken 17 55 und mich erkannt, da wir dann befunden, das der mann in einigen der vornehmsten unsrer glaubenspuncten (andere nebenssachen zu übergehen) offenbahrlich von unsrer Kirchen abgetreten. Da er nun was folgen würde vorgesehen, wolte er vorkommen, und da das Churfjurstliche] decret 18 unter
13 Johann Philipp Pfeiffer (19.2.1645-10.9.1695), geb. in Nürnberg; ab 1662 Studium in Altdorf, Jena, Wittenberg und Helmstedt, 1664 in Königsberg (1666 Magister); 1671 Prof. der griechischen Sprache in Königsberg, 1673 Verwalter der wallenrodischen und 1679 der kurfürstlichen Bibliothek; 1680 ao. Prof. theol., 1685 Dr. theol. und zweiter Hofprediger; 1694 Dimission von allen Amtern, Konversion zum Katholizismus; 1695 Kanoniker in Gutstadt in Preußen (DBA 951, 212-226; ADB 25, 639-641; Jöcher 3, 1493f, EB 6, 6-8; Matrikel Königsberg 2, 37; Chr. de Hel- wich, Vita Joh. Phil. Pfeifferi, in: Chr. Gryphius, Vitae selectae quorundam eruditissimorum ac illustrium virorum [...], Bratislava 1711, 581—600). — Pfeiffer verfaßte neben mehreren kleineren theol. Streitschriften, philos. und philologischen Abhandlungen eine Philologiegeschichte (Libri IV antiquitatum Graecarum gentilium sacrarum, politicarum, militarium et oeconomicarum: [...], Königsberg u. Leipzig 1689).
14 Es handelt sich um einen handschriftlichen, aus 281 Fragen und Antworten bestehenden „hin und wider communicirten Catechismum", der der Kommission zur Untersuchung vorgelegt wurde (vgl. LBed. 3, 618-623, 4.5.1694 an das Ministerium in Königsberg [Zitat 618]; DBA 951, 222). Ein erhaltenes Exemplar konnte nicht ermittelt werden.
Nicht ermittelt. — Die offenbar nur handschriftlich verfertigte Apologie war von der Untersuchungskommission eingefordert worden (LBed. 3, 619).
16 Samuel Freiherr von Pufendorf (8.1.1632—16.10.1694), geb. in Dorfchemnitz in Sachsen; Studium 1650 in Leipzig und 1656 in Jena (hier Magister); 1658 Hofmeister in Kopenhagen; 1661 Prof. jur. Naturae et Gentium; 1670 Prof. jur. in Lund, 1676 oder 1686 königlicher Rat und Historiograph in Stockholm; 1688 kurbrandenburgischer Geheimer Rat in Berlin; 1694 Erhebung in den Freiherrenstand durch den schwedischen König (DBA 986, 96—105; ADB 26, 701-708; NDB 8, 89;Jöcher3, 1805f EB 6, 1031-1034; D. Döring, Pufendorf-Studien. Beiträge zur Biographie Samuel von Pufendorfs und zu seiner Entwicklung als Historiker und theologischer Schriftsteller, Berlin 1992). — Pufendorf entwickelte das für ca. 100 Jahre maßgebliche Naturrechtssystem (De Iure Naturae et Gentium libri octo, Lund 1672; De officio hominis et civis juxta legem naturalem libri duo, Lund 1673; vgl. S. Zurbuchen, Naturrecht und natürliche Religion. Zur Geschichte des Toleranzproblems von Samuel Pufendorf bis Jean-Jacques Rousseau, Würzburg 1991).
17 Franz Julius Lütkens war zu diesem Zeitpunkt Propst an St. Petri, Konsistorialrat und Superintendent in Cölln (s. Brief Nr. 44, Anm. 38). Er hatte im November 1692 auch in der Untersuchungskommission gegen Francke und Breithaupt mitgearbeitet (s. Brief Nr. 58, Anm. 2).
18 Nicht ermittelt. Der Bericht der Untersuchungskommission mit dem Plädoyer für Widerruf