Nr. 95 Ph.J. Spater an A.H. Francke 1.12.1694

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ihre vielvermögende recommendation angesprochen würden. So würden sie alßdan, obwol mit ihrer recommendation das memorial an den Churfürsten, vielleicht Herrn v. Fuchs selbs, geben, und der wenigste anstoß zusorgen sein. 7 Es müßte aber auch Herrn Freylingshausens gewiße resolution zu- folgen erwartet werden 8 , wen man ihn vorschlagen wolte, so ich auch gleich 55 in dem memorial zugeschehen diensam achtete. Erwarte also was ferner resolviret werden wird: Der Herr aber regire alles, wie ers zu seinen H. ehren u. geliebten Bruders gaben nutzlichster anwendung diensam befindet. Dann wir die sach ferner mit gebet zu empfehlen haben.

Ich preise aber auch deßen güte, wegen erlangter erlaubnus der vermah- 60 nung an die confitenten y , welches ich freylich vor sehr nützlich achte. Wir gehen hier bereits ins dritte jähr mit dergleichen etwas um, und ist doch noch nicht zu stände gebracht: So erfreue mich auch über den gerühmten reichen segen dero von dem Herrn selbs gestiffteten ehestands, daran zwahr niemal gezweiffeit habe. Der Herr laße dieses paradis stets grünen, und aller orten 65 gute früchten in seiner Krafft bringen, biß zur völligen Versetzung in jenen noch herrlichem Paradis. Wormit denselben mit seiner hertzlichgeliebten deßen treuen Vaters huld und regirung erlaßende verbleibe

Meines wehrtesten Bruders zu gebet und liebe

Philipp Jac [ob Spener D. Mppria] 70 Berlin den 1. Xbr. 1694.

PS. Wie neulich meine Verantwortung gegen Herrn D. Pfeiffern 10 und Neu­manen" wird überliffert sein worden 12 , so habe Herrn L. Rechenbergen 13

70 Jac|ob Spener D. Mppria]: cj (Papierausriß).

7 Tatsächlich wandte sich Francke am 10.2.1695 in der Frage der Adjunktur mit einem Memorial über von Kraut an den Kurfürsten (s. Brief Nr. 98, Anm. 14).

8 Francke hatte am 27.11.1694 mitgeteilt, daß er Johann Anastasius Freylinghausen (s. Brief Nr. 94, Anm. 5) wegen einer Adjunktur im Glauchaer Pfarramt angefragt, aber noch keine Ant­wort erhalten habe (s. Brief Nr. 94, Z. 40-42).

9 S. Brief Nr. 94, Anm. 10.

10 August Pfeiffer (s. Brief Nr. 55, Anm. 17). Gemeint ist Pfeiffers Klugheit der Gerechten (s. Brief Nr. 78, Anm. 23).

" Johann Georg Neumann (1.5.1661-5.9.1709), geb. in Mertz bei Beizig; 1680 Studium in Wittenberg (1681 Magister und Adjunkt der philos. Fakultät), 1683 in Straßburg; 1690 Professor der Poesie und Bibliothekar der Universität in Wittenberg, 1692 Dr. und o. Prof. theol., 1706 zudem Konsistorialassessor und Propst an der Schloßkirche ebd. (DBA 894, 1-56; ADB 23, 523; Jöcher 3, 883-885; EB 5, 572-577; RGG 4 6, 230f; Auskunft Pfarrerkartei der KPS; vgl. Brief Nr. 78, Anm. 23). Neumann verfaßte zahlreiche, insbesondere kontroverstheologische Schriften und war einer der zentralen literarischen Gegner Speners. Hier ist gemeint: Disputatio theologica solennis, de chiliasmo, ut vocant, subtilissimo, generatim examinato, strictimque rejecto, quam praeside Jo. Georg. Neumanno, [...] Publico examini submittit M. Jo. Georg. Roeserus [...], Wittenberg 1694.

12 PH J. SPENERS gruendliche Beantwortung dessen/ was Herr D. Augustus Pfeiffer [... ] / in der vorrede seiner so genanten Klugheit der Gerechten/ und Hr. D. Joh. Georg Neumann, [...]