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Nr. 96 Ph.J. Später an AM. Francke 15.1.1695

an ihrem ort seye, werden sie bestens wißen, ich trage aber auch zimlich sorge, das es schwehr in Halle hergehen möge: weiß also nicht wol, wohin man sich zuwenden habe: ob ihr wol gern geholfFen wünschte. Vielleicht zeigt uns aber Gott, als der witwen Versorger u. der weisen Vater 5 , solche wege, die wir jetzt noch nicht vorsehen können. Wo etwas widerum hie zubestellen, so ermangle nicht darvor zusorgen.

Im übrigen hat neulich meine l[iebe] haußfrau 6 an wehrten Brüdern einige schrifFten von dem Obersten von Pfuhl 7 , auf deßen eigene anweisung, gesandt 8 , aber dieselbe im fall um Weihenachten die bezahlung nicht erfolget, wider zurück verlangt: dieses bittet sie, nechst freundlichen grußes, hiemit nochmal durch mich. Mir war nicht lieb, das der Obriste gel[iebten] Bruder mit darzu gezogen, der andre geschafften hat, alß hieran zudencken. Nach­dem aber jener es selbs begehret, und wo man seinem petito nicht deferiret, sich beschwehret haben würde, habe auch etwas gutes drauß verhofft. Ich habe als damal der Obriste mit der Frau Schwartzin hier war 9 , meine frau darzu disponirt, das sie, ob wol nicht gern, und in der that nicht von ihrem geld, sondern das sie erstatten müßen, die 200 thaler auff 4 oder 5 wochen vorgeschoßen, so jetzt 2 jähr sind. So kan ich sie, nach dem gedult zu warten auß, nicht länger abhalten, das sie nicht hülffe, wie ihr bereits adresse an den Herrn von Danckelmann 10 gegeben worden, zu recuperirung des ihrigen suche: so ich sonsten gern abgewendet gesehen hätte. Wo nun geliebter Bruder von dem Obristen die versichrung hat, das auffs längste in 14 tagen die bezahlung gewiß folge, so möchte die Obligation und brieff noch solang da bleiben, damit die sache in der stille abgethan würde. Ist aber seiter keine antwort von ihm gekommen, oder kan gelfiebter] Bruder nicht hoffen, das es sobald geschehe, so bitte selbs die freundliche remission des übersandten: dann über 14 tag nicht mehr länger ohne schaden zu warten sein wird. Ob dann der Obriste alsdann mit seiner ungelegenheit erstattung thun müßte, würde ers ihm selbs zuzuschreiben haben: ich aber sehe es lieber vermieden: doch ists auch nicht freundlich von ihm gegen uns gehandelt.

39 längste ] + (de). 44 /ohne schaden/.

5 Vgl. Ps 68,6.

6 Susanne Spener (s. Brief Nr. 15, Anm. 16).

7 Georg Ehrenreich von Pfuel, Obrist in Helfta (s. Brief Nr. 85, Anm. 3).

8 Die genannten Schriften von Pfuhl wurden nicht ermittelt.

9 Wann sich Adelheid Sybille Schwarz (s. Brief Nr. 55, Anm. 16) mit Pfuhl in Berlin auf­hielt, ist nicht klar; bei ihrer Reise von Helfta nach Berlin am 20.12.1692 wurde als Begleiter nur Johann Baptist Croph (s. Brief Nr. 20, Anm. 17) erwähnt (vgl. Briefe Nr. 64, Anm. 20 und Brief Nr. 66, Z. 68f).

10 Eberhard Christoph Balthasar (s. Brief Nr. 13, Anm. 8) oder Daniel Ludolf (s. Brief Nr. 82, Anm. 3) von Danckelmann.