Nr. 98 A.H. Franckc an Ph.J. Spener 16. 2. 1695
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Vorschlag zu einem adjuncto gethan, und omnem operam constantissime pro- mittiret", und auch schon das memorial ad Electorem 12 und ein Schreiben] 15 an die Curatores Acad[emiae] 13 übernommen zu recommendiren. 14 Und weil ers für gut befunden, der Gern [eine] consens zuvor zu erhalten, habe ich ihn wie in dem andern praemissis precibus ad Deum einfältiglich gefolget, aber consensum der Gemeine noch nicht erhalten' 3 , welches doch die Sache nicht hindern kan, noch mich im Glauben, daß Gott selbst alles hinauß- 211 führen werde 16 , irre machen laße. Ich suche es nur zu Seiner Ehre, und der Gemeinde besten, so habe ich auch das Vertrauen zu meinem Vater, daß es geschehen werde. Mein Glaube wird nicht fehlen. Herr Freylingshausen ist selbst durch sonderliche Fügung Gottes herkommen, hat 3 mahl für mich geprediget 17 , und die Gemeine sehr contentiret, daß Sie ihn für allen studiosis 25 gelobet. Ich zweiffle gar nicht mein theurester Vater werde mich dißfalls Deo occasionem suppeditante bestens secundiren. Scio quod Deus eventum largietur exoptatum. Und ob ich gleich schreiben wolte, ich zweiffeite, so wäre es nicht in meinem Hertzen.
Gottes Wege sind ja wunderbahr 18 , von Mörseburg versichert man, daß 30 zur Superintentur auff mich daselbst votiret sey, Herr Born aber Lipsensis 19 mir entgegen gewesen. Doch würde es mir ohne dem schwer gewesen seyn divinitatem vocationis zu erkennen.
Gott aber kan alles gebrauchen zu seines Namens Ehre. Einige Wochen her bin wieder ziemlich schwächlich gewesen und auch noch. Der Herr wirds 35
20 /kan/. 21 werde, ] + (nicht).
" Von Kraut hatte Freylinghausen am 30.1.1695 in Halle zu sich bestellt, um ihn kennenzulernen (vgl. Christian Friedrich von Kraut an Francke, Halle 29.1.1695, SBPrKB, Nachlaß Francke, Kaps. 13: 1).
12 Friedrich III. (I.) von Brandenburg (s. Brief Nr. 18, Anm. 11).
13 Daniel Ludolf von Danckelmann (s. Brief Nr. 82, Anm. 3) und Johann Friedrich von Rhetz (s. Brief Nr. 86, Anm. 10).
14 Franckes über von Kraut an den Kurfürsten gerichtetes Memorial in der Adjunkturangelegenheit datiert vom 10.2.1695 (vgl. PfA St. Georgen, A 4 [Acten verschiedenen Inhalts aus den Jahren 1559—1727], Nr. 32c: A.H. Francke, Kurtzer Bericht deßen, was bißhero in Sachen der Adjunctur in Pastoratu betreffend, ergangen [3.12.1695]). Ein entsprechendes Schreiben an die Kuratoren wird in der Akte nicht erwähnt.
15 Francke hatte sich ebenfalls am 10.2.1695 mit einem ausführlichen Schreiben an die Glauchaer Gemeinde gewandt und darum gebeten, daß diese sein Anliegen der Adjunktur für Freylinghausen mit einem Brief an den Kurfürsten unterstützen möge (PfA St. Georgen, A 4, wie Anm. 14, Nr. 24). Die Gemeinde verweigerte daraufhin ihren Konsens (vgl. Brief Nr. 100, Z. 8-13 und Anm. 7).
16 Vgl.Jes 28,29.
17 Freylinghausen hatte am 2.2. nachmittags, im Bußgottesdienst am 6.2. und am 11.2. früh für Francke gepredigt (PfA St. Georgen, A 4, Nr. 24; AFSt/H E 25).
18 Vgl. 2Sam 22,31 u. Ps 18,31.
19 Vermutlich handelt es sich um Johann Franz Born (gest. 1732), geb. in Leipzig, Assessor des Schöppenstuhls, des Ratscollegiums, des Oberhofgerichts und des Konsistoriums in Leipzig sowie Mitglied des Domkapitels und des Stiftsrats in Merseburg (Jöcher 1, 1256).