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Nr. 98 A.H. Francke an Ph.J. Später 16. 2. 1695

ändern, wenn es seyn wille ist. Werde also immer auffs neue convinciret, wie nöthig mir eine sublevation sey. Ich habe jüngst ein exemplfar] der Obsfervationum] Bibl[icae] 20 gesendet 21 , bitte mir doch frey zu schreiben, so etwas drinnen zu straffen an mir gefunden wird. Professioni aliquid dandum 40 est. Für den Anfall der Weltgelehrten fürchte ich mich nicht. 22 Denn ich su­che nichts als die Warheit. Wiewohl ein gar besonderer Umstand gelegenheit dazu gegeben; daß es in der Liebe und im Glauben angefangen worden. 23 So sende nun auch hiebey ein exemplar von dem Timotheo 24 , so erst heute fertig worden. In allem bitte mich zu erinnern und zu straffen, wo ich fehle.

36 sein (sejn.

20 A.H. Francke, Observationes biblicae oder Anmerckungen ueber einige Oerter H. Schrillt/ Darinnen die Teutsche Übersetzung des Sei. Lutheri gegen den Original-Text gehalten und bescheidentlich gezeiget wird/ Wo man dem eigentlichen Wort=Verstande naeher kommen koenne/ Solches auch Zur Erbauung in der Christi. Lehre angewendet/ und im Gebet appliciret wird/ [...] Halle, Januar bis April [September] 1695 (Francke-Bibliographie Nr. C 13.0 u. 13.1,11,4). Die Observationes, die von Januar bis April monatlich erschienen, beinhalten in fortlaufender Numerierung und Seitenzählung einzelne Bibelverse, zu denen jeweils Varianten zu Luthers Übersetzung, daraus resultierende Lehren und ein Gebet formuliert sind. Von Mai bis September erschienen unter dem Titel Warhafftiger Bericht von Denen bishero Monatlich herausgegebenen Oberservationibus biblicis [...] (die Untertitel differieren, vgl. Francke-Bi­bliographie Nr. C 13.1,5-1,9; Wiederabdruck in A.H. Francke, Oeffentliches Zeugniß Vom Werck/ Wort und Dienst GOttes, Bd. 2, Halle 1702, 284-484, vgl. Francke-Bibliographie Nr. C 13.2) in monatlicher Fortsetzung dann nur noch Apologien Franckes gegen Angriffe der zuvor erschienenen Observationes.

21 Francke hatte Spener die Januar-Ausgabe der Oberservationes zukommen lassen (s. Brief Nr. 99, Z. 27-58).

22 Angriffe gegen Franckes Observationes waren zu erwarten und erfolgten, weil die Schrift den Eindruck erwecken mußte, Francke wolle Luther korrigieren (vgl. z.B. die Entgegnungen von Johann Heinrich Knoblach, Briefe Nr. 100, Z. 23f und Nr. 107, Z. 17-19 und Anm. 13) und Theodor Dassov (vgl. Brief Nr. 110, Z. 87f und Anm. 32); auch Spener und Johann Caspar Scha­de (s. Brief Nr. 19, Anm. 12 und hier Anm. 23) hielten diese Veröffentlichung für ausgesprochen ungeschickt (s. Briefe Nr. 99, Z. 27-55, Nr. 115, Z. 29-43 und Nr. 116, Z. 81-104).

" 3 In einem ohne Datum und Quellenangabe in Franckens Stiftungen z.T. abgedruckten Brief Franckes an Schade wird der Anlaß der Entstehung der Obervationes so dargestellt: Gegen Ende des Jahres 1694 habe Francke zeitgleich mit eigenen Meditationen über 2Kor 9,8 einen Brief von einem Magdeburger Freund erhalten, in dem dieser von seiner großer Geldnot geschrieben und um Hilfe gebeten habe. Francke habe daraufhin beschlossen, sein Abendessen zeitlich ein­zuschränken und in der gewonnenen Zeit eine Schrift über biblische Sprüche zu verfassen, deren Verkaufserlös dem Freund zugute kommen sollte. Der Bericht hat apologetischen Charakter, denn Schade hatte die Observationes in einem vorhergehenden Brief an Francke offenbar heftig angegriffen; in der Antwort auf Franckes Verteidigung nimmt Schade die Vorwürfe zurück (vgl. Franckens Stiftungen 1, 45f u. 2, 444-451; entsprechende Quellen wurden nicht ermittelt).

24 A.H. Francke, Timotheus/ zum Fuerbilde allen Theologiae studiosis dargestellet, Halle 1695 ( 5 1728) (Francke-Bibliographie Nr. C 14.1-5; Wiederabdruck der 2. Aufl. in Öffentliches Zeugnis [s. Anm. 20], Bd. 3, Halle 1703, 194-226; Francke, Werke in Auswahl, 154-171). - Die Schrift mahnt die Studenten eindringlich, ihr Leben nach dem Vorbild des Jüngers Jesu Timotheus