Nr. 100 A.H. Francke an Ph.J. Später 12.3.1695
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gethan. Doch wird es alles der Sache nichts schaden, weil die Sache mit Gott im Glauben und mit Gebet angefangen ist, welches die Wiedersacher nicht gethan haben, darum bin ich getrost, und lieget mir gewiß nicht wenig an 15 dieser Sache, welches verhoffentlich der Ausgang lehren sol.
Zu Merseburg hat der D. Sittig 9 sein Amt resigniren, und auff seine guter ziehen wollen, weiß nicht ob es bey der resolution bleibet, solches habe neulich dabey zu schreiben aus der acht gelaßen. 10
Wegen der Monate 11 habe einfaltiglich nach meiner Erkentniß gehandelt, 20 und meynete ich hätte es mit dem Titul auffs leiseste gemachet. 12 Hier hat es sich auff den Cantzeln sehr dawieder gereget, haben mich auch im Con- sistorio verklagen wollen. D. Carpz[ov] 13 sol einen Magistrum wieder mich ausmustern 14 . Mir aber ist das alles lauter Freude, und bin gewiß, daß es zur Ehren Gottes gereichen muß. Ich weiß daß Gott mit mir ist, und nicht mit 25 denen, die sich wieder mich legen. Es ist mir auch um der bloßen Observationen willen nicht zu thun, Gott wird es schon seinen Kindern zu mehrern Seegen gereichen laßen. Wegen Herrn D. Thom[asii] 1 ''' und M. Lubaths 16 wird Herr D. Breithaupt berichten. 17
Den brieff aus Pensilvanien 18 sende hierbey, welchen ohnschwer zurück- 30 zusenden bitte.
Beygehendes an Herrn Cammferrath] Kr[aut] bitte ohnschwer an ihn zu senden. 19 So sonst etwas im Timothfeo] 20 oder in Obsfervationibus] Biblficis] 21 zu erinn[ern] vorfället, ist mirs allemahl angenehm.
8 Christian Friedrich von Kraut (s. Brief Nr. 13, Anm. 4).
9 Valentin Sittig (s. Brief Nr. 99, Anm. 27).
10 Vgl. Brief Nr. 99, Z. 78f.
11 A.H. Francke, Observationes biblicae (s. Brief Nr. 98, Anm. 20).
12 Zu Speners Kritik an den Observationes s. Brief Nr. 99, Z. 27—55.
13 Johann Benedikt (II.) Carpzov (s. Brief Nr. 12, Anm. 16).
14 Möglicherweise ist hier bereits der Wittenberger Magister Johann Heinrich Knoblach gemeint, unter dessen Vorsitz im Frühjahr 1695 philologische Disputationen über die Observationes gehalten wurden und der selbst eine Schrift gegen die Observationes verfaßte (Kurtze Erinnerung an August Hermann Francken [...], Wittenberg 1695; vgl. Brief Nr. 107, Z. 17—19 und Anm. 13).
!:> Christian Thomasius (s. Brief Nr. 8, Anm. 20).
16 Wohl Martin Lubath (gest. 3.3.1714), geb. in Berlin; 1686 Studium in Frankfurt/Oder, 1687 in Wittenberg (1689 Magister), 1693 in Halle; 1700 Prorektor am Friedrichswerder Gymnasium in Berlin, 1708 Pfarrer in Fehrbellin bei Nauen (Matrikel Frankfurt 2, 194; Matrikel Halle, 273; Zedier 18, 612; Pfarrerbuch Brandenburg 2/1, 517; Canstein/Francke, 80). - Welcher Vorgang um Lubath gemeint ist, konnte nicht ermittelt werden.
17 Schreiben Joachim Justus Breithaupts (s. Brief Nr. 7, Anm. 36) an Spener zu den Konflikten um Thomasius (vgl. Brief Nr. 99, Anm. 42) sind nicht überliefert.
18 S. Brief Nr. 98, Anm. 34.
19 Ein entsprechender Brief Franckes an von Kraut (s. Anm. 8) ist nicht überliefert. 211 A.H. Francke, Timotheus (s. Brief Nr. 98, Anm. 24).
21 S. Anm. 11.