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Nr. 108 A.H. Francke an Ph.J. Spener 8. 6. 1695

dreyen bekanten Freunden im Gymnasio 8 in sehr guter harmonie, daß großer Segen daher zu hoffen, zum theil auch bereits vor Augen ist, wie ich denn von 20 Schülern zugleich besuchet worden, von welchen allen mich Herr M. Wiegeleb versichert, daß Sie Gott von Hertzen suchen. Die Fr. Hof­fräthin Jacobsin 9 , Fr. Secretariin Zifnckerjnagelin 10 , dero Fr. Tochter 11 , und Schwieger Sohne H. Gotter, Registrater 12 , die Freulein Hertzbergin 13 und andere sonderlich auch von gemeinen Leuten 14 habe in einem feinen Zu­stande ihres Christenthums angetroffen. Ich wünschete daß es die Zeit wäre, alles zum Preise Gottes zu schreiben. 15

Böses hab ich hier desto mehr angetroffen, wiewol mir doch alles zum besten wird dienen müßen 16 . In odium et calumnias omnia conspirant. Es ist mir alles erträglich, ja eine hertzlfiche] Freude. Ohne dis einige drücket mich

16 dreyen(?) ] doch: D (Rand durch Klebung beschädigt). 20 Secretariin ] Secretarii in: D. 20 Zi[ncker]nagelin: cj (Rand durch Klebung beschädigt). 21 Sohne ( Soihne(?). 22 feinen (feinem. 25 hier ] +/hier/[Dittographie].

7 Johann Müller (28.3.1649-10.10.1727), geb. in Ohrdruf; 1666 Studium in Jena (1670 Magister), 1672 Informator und Hofmeister des Grafen Hohenlohe-Gleichen; 1674 Pfarrer in Pferdingsleben bei Gotha, 1694 Diakon in Gotha, 1701 Oberdiakon ebd. (DBA 869, 135; Jöcher EB 5, 75; Pfarrerbuch Gotha, 496;curriculum vitae", AFSt/H A 78 b : 240f li. K l: 8185 [Abschrift]). Müller verfaßte einen Traktat über die Juden, der auch in italienischer und französischer Sprache erschien (Das Licht am Abend, wodurch die Juden zur Anerkennung der christlichen Wahrheit zubereitet werden [...], Halle 1736). Der Druck des Traktats wurde zum Anlaß für die Gründung des Institutuni Judaicum durch Johann Heinrich Callenberg in Halle (vgl. Ch. Rymatzki, Hallischer Pietismus und Judenmission. Johann Heinreh Callenbergs Institutum Judaicum und dessen Freundeskreis [17281736], Tübingen 2004 [Hallesche Forschungen, 11], v.a. 86-99 und 153-164).

8 Gemeint sind der Rektor Gottfried Vockerodt (s. Brief Nr. 16, Anm. 44), der Subkonrektor Johann Hieronymus Wiegleb (s. Brief Nr. 8, Anm. 15) und möglicherweise die Lehrer Hellfeld (vgl. Ausführliche Beschreibung [s. Brief Nr. 81, Anm. 17], 76) oder Nehring (vgl. Wotschke, Vockerodt, 50).

9 Maria Elisabeth Jacobs (s. Brief Nr. 10, Anm. 12).

10 Nicht ermittelt.

11 Catharina Susanna Zinckernagel, seit 1692 Ehefrau von Ludwig Andreas Gotter (s. Anm. 12; Pfarrerbuch Gotha, 282).

12 Ludwig Andreas Gotter (26.5.166119.9.1735), geb. in Gotha als Sohn des Generalsuper- intendenten Johann Christian Gotter; Geheimer Sekretär, später Hof- und Assistenzrat in Gotha (DBA 410, 8-18; ADB 9, 456; Pfarrerbuch Gotha, 282). - Gotter verfaßte geistliche Lieder, von denen 24 in Freylinghausens Gesangbuch (s. Brief Nr. 94, Anm. 5) abgedruckt wurden.

13 Möglicherweise eine der offenbar aus Altenburg stammenden Frauen von Hertzberg, mit denen Francke spätestens seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre in intensivem Briefkontakt stand: nachweisbar sind Briefe von Johanna Jacobina, Maria Elisabeth und besonders zahlreich von Mag­dalena von Hertzberg (vgl. AFSt/H C 91: 1-50).

14 Unter Bezug auf die Angaben in der Ausführlichen Beschreibung (s. Anm. 8) erwähnt Fergen die Witwe Hähner und deren Tochter sowie den Laboranten Brummer, distanziert sich aber von diesen (Fergen, Wahrhaftiger Bericht [s. Brief Nr. 34, Anm. 6], 35f. 131f).

15 Franckes Besuch in Gotha löste in der Stadt heftige Konflikte zwischen Franckeanhängern und -gegnern aus (vgl. Brief Nr. 110, Z. 10-16 und Anm. 6).

16 Vgl. Rom 8,28.