Nr. 111 Ph.J. Später an AM. Francke 23.11.1695
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schreiben bald mögen an mich spediret werden 10 , da ich nach dem vermögen, welches Gott geben wird, nichts an meinem fleiß und treue ermanglen laße, wir aber von der Himmlischen gute den erwünschten success erwarten und erbitten wollen.
Ich bin nun in der arbeit wider Herrn D. Alberti", so ich bald fertig zuhaben hoffe 12 , gegen seine praefationem vindiciarum Exegeticarum 13 . Wir haben ihm zudancken, das er das 7tpön;ov (JjeüSocj Pietismi, seiner meinung nach, entdecket, und helt es seye major, quam par est (wer solle aber dieses definiren) progressiv in renovatione, und also sublimiores gradus et qui non adeo a fastigio absint. 14 Ist nun dieses das hertz des Pietismi, so muß dieser gewiß eine heilige lehr sein. Wären geliebten Bruder wichtige loca unsrer Theologorum bekant von mehrerem oder höherem maaß der heiligung, und von der distinctione inter incipientes, proficientes u. adultos (D. Olearii 15 , D. Gesenii 16 u. Arndii 17 testimonia 18 habe ich) geschehe mir durch dero
30 /seye/. 36f /durch dero mittheilung/.
Iu Die von Spener empfohlenen Schreiben in der Sache der Adjunktur, die Francke am 3.12.1695 tatsächlich abfaßte (s. Brief Nr. 110, Z. 31-75).
11 Valentin Alberti (15.12.1635-15.9.1697), geb. in Lahn in Schlesien; 1653 Studium in Leipzig (1656 Magister, 1668 Lic. theol.), 1661 Assessor der philos. Fakultät, 1663 Prof. der Logik und Metaphysik, 1672 ao. Prof. theol., 1678 Ephorus der kurfürstlichen Stipendiaten, Dr. theol. und Decemvir der Akademie, 1684 Assessor des Konsistoriums und der theol. Fakultät ebd. (DBA 12, 232-251; ADB 1, 215-216; NDB 1, 142; Jöcher 1, 196-197; BBKL 1, 85f; RGG 4 1, 268; Stolberg Nr. 3929). — Alberti, der zunächst am Collegium philobiblicum beteiligt und ein Freund Speners gewesen war, bekämpfte als Vertreter eines streng orthodoxen Luthertums später nicht nur die römisch-katholische Theologie, sondern auch den Pietismus und die Naturrechtslehre der frühen Aufklärung.
12 Ph.J. Spener, Gruendliche Vertheidigung seiner Unschuld und der unrecht beschuldigten so genannten Pietisten/ gegen Valentini Alberti, Praefat. Vindic. Exeget. Joel 2. Darinnen auch/ sonderlich in der Vorrede/ wie aller bißherige streit leicht zu heben seye/ Zu Überzeigung derer/ welche trennung suchen/ gewiesen wird, Stargard 1696 (Grünberg Nr. 293). Die Vorrede datiert vom 16.12.1695.
13 V. Alberti, Vindiciae exegeticae Joel 2, 28.29. Inprimis Contra Enthusiastas eorumque Visiones & Prophetias. In Praefatione Autor etiam, quid de Pietismo, Chiliasmo aliisque No- vatorum Anomaliis sentiat, Homologetice ac apologetice proponit ac deducit [...], Leipzig 1695 (Grünberg Nr. 365).
14 Vgl. Alberti, Vindiciae exegeticae, 14f; De Pietistis. Primarius Eorum error. 5 Johannes Olearius (s. Brief Nr. 19, Anm. 6).
16 Justus Gesenius (6.7.1601-18.9.1673), geb. in Esbeck in Calenberg; Studium in Helmstedt (1643 Dr. theol.) und 1626 in Jena, 1629 Pfarrer an St. Magnus in Braunschweig; 1636 zweiter Pfarrer, 1642 erster Pfarrer an der Schloßkirche, Generalsuperintendent (seit 1650 auch von Calenberg), Oberhofprediger und Kirchenrat in Hannover, 1670 erster Pfarrer an St. Johannes ebd. (DBA 387, 190-205; ADB 9, 87f; Jöcher 2, 967f; RGG 4 3, 841 f; Pfarrerbuch Hannover 1, 408. 410. 437. 440f). - Gesenius wurde vor allem wegen seiner Kleine[n] Catechismus-Schule [...], Lüneburg 1631, die in zahlreichen Auflagen erschien, und als geistlicher Liederdichter bekannt.
17 Johann Arndt (s. Brief Nr. 77, Anm. 5).
18 Bei J. Olearius, Doctrina Theologiae Moralis totius [...], Leipzig 1688, findet sich in Tabelle 17 (De Fide in Christuni, ut Causa & Radice Pietatis Operum) unter VII. (Divisio. Fides hic